Der ADAC bescheinigt Bus- und Tram-Haltestellen in Deutschland Fortschritte bei der Barrierefreiheit, sieht jedoch weiterhin erhebliche Mängel. Vor allem der Einstieg in Fahrzeuge sowie Orientierungshilfen für Sehbehinderte bereiteten Probleme.
Der Verkehrs- und Automobilclub ADAC sieht bei der Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr weiterhin deutlichen Verbesserungsbedarf. Dabei gilt in Deutschland bereits seit dem 1. Januar 2022 die gesetzliche Vorgabe, dass der ÖPNV grundsätzlich barrierefrei sein muss. Für einen bundesweiten Test wurden laut Mitteilung nahezu 150 Bus- und Tram-Haltestellen in zehn deutschen Städten untersucht. Geprüft wurden die Zugänglichkeit, die Ausstattung der Stationen sowie der Einstieg in die Fahrzeuge.
Nach Angaben des ADAC ist der Einstieg in Busse und Straßenbahnen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen häufig die größte Hürde. Die empfohlenen Spaltmaße zwischen Fahrzeug und Bordsteinkante wurden demnach nur bei gut 20 Prozent der Straßenbahnfahrten und bei lediglich drei Prozent der Busfahrten eingehalten. Dadurch seien viele Fahrgäste weiterhin auf Rampen oder Hilfe durch das Fahrpersonal angewiesen.
Positiv bewertet der ADAC die Ausstattung mit Sitzgelegenheiten. An 92 Prozent der Haltestellen seien Bänke vorhanden gewesen, die überwiegend auch Rückenlehnen aufgewiesen hätten. Armlehnen, die das Aufstehen erleichtern, fanden die Tester dagegen nur an elf Prozent der Stationen.
Für blinde und sehbehinderte Menschen sieht der ADAC ebenfalls Nachholbedarf. Auffindestreifen zur Orientierung seien nur an 58 Prozent der Haltestellen vorhanden gewesen. Bodenindikatoren zur Absicherung von Radwegen im Zugangsbereich hätten sogar nur an 16 Prozent der untersuchten Stellen existiert. Leitstreifen entlang der Bahnsteigkante seien dagegen an 93 Prozent der Haltestellen vorhanden gewesen.
Der ADAC fordert, den barrierefreien Ausbau von Stationen zu beschleunigen und dafür ausreichende finanzielle Mittel bereitzustellen. Zudem sollten nach Ansicht des Clubs die bisherigen Nutzungsfristen von teils 10 bis 25 Jahren nach einem Umbau flexibler gestaltet werden, damit technische Neuerungen schneller umgesetzt werden könnten. Darüber hinaus spricht sich der ADAC für regelmäßige Schulungen des Fahrpersonals aus, um den barrierefreien Einstieg zu verbessern. Getestet wurden Haltestellen in Augsburg, Bielefeld, Braunschweig, Chemnitz, Erfurt, Kassel, Magdeburg, Mainz, Mannheim und Rostock.
EVN
