Eine Rettungsübung in einem ICE-Tunnel hat vor wenigen Wochen gravierende Mängel bei Alarmierung, Kommunikation und Einsatzführung offengelegt. Nun soll geklärt werden, wie es zu den Pannen kam und welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssen.
Bei der Übung am 8. August im Sandbergtunnel bei Traßdorf kam es zu Problemen in der Alarmierungs- und Kommunikationskette. Einsatzkräfte erreichten den Tunnel erst nach rund zwei Stunden. Damit wurde die für den Einsatz vorgesehene Zeit von etwa 10 bis 25 Minuten deutlich überschritten. Zudem ließ sich der im Tunnel stehende ICE von außen zunächst nicht öffnen. Auch bei der Führung des Einsatzes soll es Defizite gegeben haben.
Wie die Thüringer Allgemeine berichtete, will der Kreistag des Ilm-Kreises die Probleme an diesem Mittwoch in Gräfenroda beraten. Bis Ende Oktober soll das Landratsamt darlegen, wie die festgestellten Defizite behoben werden können. Geprüft werden soll auch, ob die Rettungsleitstelle Westthüringen und die bisherigen Vorkehrungen für Tunnelnotfälle ausreichend sind.
Landrätin Petra Enders (parteilos) warnte davor, die Verantwortung allein bei der Rettungsleitstelle zu suchen. Auch Land und Bahn hätten Fehler gemacht. Kritik übte sie unter anderem an der Alarmierung: Der Notruf habe zunächst bei der Bahn „mehrere Runden gedreht“, statt direkt die zuständige Leitstelle zu erreichen. Dadurch sei wertvolle Zeit verloren gegangen.
Auch die Kommunikation zwischen den beteiligten Stellen steht in der Kritik. Nach Angaben Enders‘ wurde unter anderem per Fax kommuniziert. Das Thüringer Innenministerium wies allerdings darauf hin, dass die digitale Faxübermittlung grundsätzlich ein übliches und sicheres Kommunikationsverfahren sei.
Probleme gab es zudem beim Zugang zum Zug. Nach bisherigem Kenntnisstand war der ICE für die Übung nicht vollständig heruntergefahren worden, sodass sich die Türen von außen mit einem Vierkantschlüssel nicht wie vorgesehen öffnen ließen. Für einen realen Notfall wären nach den bisherigen Angaben alternative Rettungsmaßnahmen wie das Einschlagen von Fenstern oder der Einsatz von Spezialgerät möglich gewesen.
Enders fordert außerdem eine Überarbeitung des Sicherheitskonzepts für die Tunnelstrecke. Aus ihrer Sicht haben sich die Rahmenbedingungen unter anderem durch den zunehmenden Zugverkehr sowie zusätzlichen Regional-, Güter- und Gefahrgutverkehr verändert.
Die genaue Aufarbeitung der Übung und die Verteilung der Verantwortung stehen noch aus. Dabei soll auch geklärt werden, welche der festgestellten Probleme auf die Alarmierungs- und Kommunikationswege und welche auf die Organisation und Vorbereitung des Einsatzes zurückzuführen sind.

EVN
