Warum das Deutschlandticket ab 2027 teurer wird

Ein Abo für alle Busse und Bahnen in Deutschland – seit Mai 2023 gibt es das sogenannte Deutschlandticket für den Nahverkehr. Seither ist es fast jedes Jahr teurer geworden. Auch 2027 steigt der Preis.

Das Deutschlandticket – ein bundesweit gültiges Monatsabo für den öffentlichen Nahverkehr – wird ab Januar 66,80 Euro kosten statt wie bisher 63 Euro. Das hat der sogenannte Koordinierungsrat entschieden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr. In dem Rat sitzen die Abteilungsleiter der Verkehrsministerien der Länder und des Bundes. Das Gremium hat erstmals den Preis für das Deutschlandticket auf Basis eines Vorschlags der Gesellschaft D-Tix festgelegt. Die Details.

Wie teuer wird das Deutschlandticket?

Das Deutschlandticket kostet ab dem 1. Januar des kommenden Jahres 66,80 Euro pro Monat. Das sind 3,80 Euro beziehungsweise rund 6 Prozent mehr als bisher.

Ändern werden sich auch die Preise für die rabattierte Deutschlandticket-Variante Jobticket und das Deutschland-Semesterticket. Das Jobticket kostet ohne Berücksichtigung des verpflichtenden Arbeitgeberzuschusses ab Januar 63,46 Euro statt wie bisher 59,85 Euro. Das Deutschland-Semesterticket wird 2,28 Euro teurer und kostet ab Januar 40,08 Euro.

Warum erhöht sich der Preis?

Für die Unternehmen bedeutete die Einführung des bundesweiten Nahverkehrs-Abos zum 1. Mai 2023 milliardenschwere Einbußen. Diese werden unter anderem von Bund und Ländern mit jährlich 3 Milliarden Euro ausgeglichen.

Allerdings war schnell klar, dass das nicht reichen wird und der ursprüngliche Preis von 49 Euro pro Monat ebenfalls steigen muss, wenn das Angebot Bestand haben soll. Die Verkehrsunternehmen müssen schließlich nicht nur die wegfallenden Umsätze aufgrund des günstigeren Abos ausgleichen, sondern kämpfen auch seit Jahren mit steigenden Kosten bei Personal, Energie und Kraftstoffen.

Wer entscheidet, wie teuer es wird?

In den vergangenen Jahren waren für die Preisfestlegung der Bund und die Länder zuständig. In langwierigen Verhandlungen wurde bestimmt, um wie viel das Ticket teurer wird. 2025 stieg der Preis von den ursprünglichen 49 Euro deutlich auf 58 Euro pro Monat. In diesem Jahr erhöhte er sich erneut auf 63 Euro.

Doch der endlos wirkende politische Streit untergrub aus Sicht vieler Fachleute das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer in den Erhalt des Deutschlandtickets. Um das politische Gezerre zu umgehen, wurde für das kommende Jahr ein automatisiertes, technisches Verfahren eingeführt, mit dem der Preis fortan festgelegt werden soll.

Eine eigene Gesellschaft, die D-Tix, bestimmt unter anderem auf Basis der Entwicklung bei Kraftstoff-, Personal- und Betriebskosten einen Index, um den das Ticket teurer wird. Beschließen muss die Erhöhung dann der sogenannte Koordinierungsrat.

Wie genau wird der Preis bestimmt?

Der Preisindex bildet auf Basis statistischer Daten die Kostenentwicklung etwa von Personal und Energie nach, die die Unternehmen schultern müssen. Je stärker also die Inflation ausfällt, umso teurer wird auch das Deutschlandticket. Außerdem wird berücksichtigt, dass die Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern in Höhe von 3 Milliarden Euro jedes Jahr fix sind und nicht dynamisch steigen.

Kann das Ticket noch teurer werden?

Ja. Der Index soll jedes Jahr neu berechnet und jeweils spätestens bis zum 30. September verkündet werden. Angesichts der anhaltenden Inflation ist absehbar, dass das Deutschlandticket auch 2028 teurer wird. Allerdings könnte die Preissteigerung etwas geringer ausfallen. Denn ab kommendem Jahr greift ein weiterer Faktor, der bei der Rechnung zugunsten der Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigt werden soll: die Zahl der Abonnenten. Sie liegt aktuell bei rund 14,5 Millionen. Sollten es deutlich mehr werden und sich dadurch die Einnahmen der Verkehrsunternehmen erhöhen, wird dies bei der Preisberechnung kostendämpfend berücksichtigt. Dieser Faktor wird deshalb auch Dämpfungsfaktor genannt.

Lohnt sich das Abo angesichts des steigenden Preises überhaupt noch?

Wer etwa als Pendler oder Pendlerin auf den Nahverkehr angewiesen ist, spart auf jeden Fall weiterhin. Schließlich steigt nicht nur der Preis für das Deutschlandticket. Auch die herkömmlichen Nahverkehrs-Angebote – also Abos, Einzel- oder Mehrfachtickets – sind in den meisten Verkehrsverbünden in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Im Gegensatz zum Deutschlandticket gelten diese ausschließlich im jeweiligen Verbundgebiet. Ob sich das Abo grundsätzlich lohnt, hängt davon ab, wie oft die Nutzerinnen und Nutzer mit Bussen und Bahnen unterwegs sind.

Reichen die Einnahmen, um das Ticket dauerhaft zu sichern?

Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass die nun beschlossene Preissteigerung ausreicht, um das Ticket für 2027 zu finanzieren. Der heutige Beschluss des Koordinierungsrats schafft frühzeitig Klarheit: „Fahrgäste, Verkehrsunternehmen und Verbünde können sich ab sofort auf den neuen Preis von 66,80 Euro ab dem 1. Januar 2027 einstellen“, teilte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Ingo Wortmann, mit. „Wir haben Verständnis dafür, dass eine Preiserhöhung in Zeiten steigender Verbraucherpreise für manche Fahrgäste schmerzhaft ist. Zugleich treffen die allgemeinen Kostensteigerungen auch die Verkehrsunternehmen hart. Sie können diese Mehrkosten nicht auffangen.“

dpa / EVN