Maier nach missglückter Großübung im ICE-Tunnel „stinksauer“

Es sollte eine Rettungsübung werden, wie sie vielerorts in Deutschland durchgeführt wird, um Abläufe zu verbessern. Was am vergangenen Samstag im Sandbergtunnel in Thüringen passierte, lässt Beobachter jedoch sprachlos zurück.

In einem ICE-Tunnel bei Traßdorf im Ilm-Kreis brennt ein Zug – und die Feuerwehr kommt (vorerst) nicht. Glücklicherweise ist das Szenario nur eine Übung, doch diese läuft gehörig schief: Nach dem Notruf, den der Lokführer um 10:15 Uhr absetzt, dauert es rund zwei Stunden, bis die ersten Rettungskräfte am Einsatzort eintreffen.

„Es gibt nichts schönzureden“, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier im Interview mit Bild. Er habe die Situation vor Ort miterlebt und sei „stinksauer“ darüber, dass die Alarmierung nicht geklappt habe. Der SPD-Politiker sprach von einer Verkettung unglücklicher Umstände. So habe es parallel zur Großübung reale Unfälle auf der Autobahn gegeben.

Maier: Im Ernstfall „tatsächlich fatale Folgen“

Auch die Verzögerungen, die nach dem Notruf des Lokführers aufseiten der Deutschen Bahn auftraten, müssten geklärt werden. Maier sagte dazu, man müsse nun das Gespräch mit der Bahn suchen. Laut dem Minister habe es zudem einen technischen Defekt in der Leitstelle des örtlichen Landkreises gegeben.

Im Ernstfall hätte das „tatsächlich fatale Folgen gehabt“. Laut dem Minister seien erste Sondierungstrupps bereits nach etwas mehr als einer Stunde vor Ort gewesen. Allerdings gebe es „nichts zu beschönigen“, so Maier – nun müssten die Fehler zügig beseitigt werden.

Im Gespräch mit Bild-Journalist Thomas Kausch erklärte der Minister, dass die Rettungsleitstellen der einzelnen Landkreise in Thüringen eher klein seien; eine Zusammenlegung halte er für sinnvoll. Der Katastrophenschutz sei Sache der Landkreise – dort liege „in erster Linie“ die Verantwortung.

Am Montag wurde zudem bekannt, dass für die Alarmierungswege zwischen den Leitstellen teilweise noch Faxgeräte zum Einsatz kommen, wie die Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders (parteilos), sagte.

Bahn geht auf Nachfragen nicht ein

Der Notruf aus dem ICE kam in der zuständigen Betriebszentrale der DB InfraGO in Leipzig an. Warum die Meldung von dort aus nicht zeitnah weitergegeben wurde, bleibt bislang unklar. Die Pressestelle der Deutschen Bahn ging auf Nachfragen nicht konkret ein und verwies lediglich darauf, dass man das Übungsszenario im Sandbergtunnel mit allen Beteiligten „gemeinsam auswerten“ werde.

Angesprochen auf die Verzögerungen durch die Leitstelle der Bahn, erklärte Maier: Man wisse derzeit nur von der Verzögerung, nicht aber, „wer genau jetzt dafür verantwortlich ist“. Aus den Ursachen müsse man nun Konsequenzen ziehen.

EVN