Bei einer Großübung mit einem simulierten Zugbrand in einem Thüringer Tunnel haben Einsatzkräfte erhebliche Verzögerungen bei der Alarmierung festgestellt. Die ersten Retter erreichten den Übungsort erst mehr als zwei Stunden nach dem Notruf.
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Bei einer Großübung mit mehr als 250 Einsatzkräften im 1.320 Meter langen Sandbergtunnel bei Traßdorf im Ilm-Kreis ist ein simulierter Brand eines ICE mit rund 100 Fahrgästen trainiert worden. Nach Berichten von Bild und in Südthüringen sollen die ersten Einsatzkräfte den Tunnel erst zwei Stunden und sieben Minuten nach dem Notruf erreicht haben. Vorgesehen gewesen sei eine Ankunft innerhalb von 10 bis 25 Minuten.
Als mögliche Ursache werden Verzögerungen in der Alarmierungskette genannt: Demnach sei die zuständige Rettungsleitstelle erst rund 30 Minuten nach dem Notruf informiert worden, anschließend habe die Alarmierung umliegender Feuerwehren weitere Zeit in Anspruch genommen.
Ein Feuerwehr-Experte wird mit der Einschätzung zitiert, bei einem realen Ereignis wären nach dieser Zeit vermutlich „längst alle tot“.
Thüringens Innenminister Maier und Landrätin Enders vor Ort
Das Thüringer Innenministerium teilte im Nachgang mit, dass die Übung nicht nur gezeigt habe, „was funktioniert – sondern auch, wo Abläufe erheblich verbessert werden müssen“. Bei der Alarmierung und beim Eintreffen der neun vorgesehenen Tunnelbasiseinheiten sei es „zu erheblichen Verzögerungen“ gekommen. „Dadurch konnte die Rettung der Fahrgäste erst deutlich später beginnen als vorgesehen.“ Die Abläufe müssten nun „sorgfältig ausgewertet“ und die Ursachen der Verzögerungen gefunden werden, so das Ministerium.
Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) und Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders (parteilos) waren bei der Übung vor Ort. Besonders Enders soll laut einem Bericht von Focus online erschüttert gewesen sein. Immer wieder habe sie nach den Ursachen der Verzögerungen gefragt und sich gewundert, warum die Rettungskette nicht in Gang kommt. Schließlich habe sie die Übung verlassen und sei zur Rettungsleitstelle gefahren, „um sich dort selbst ein Bild zu machen“, wird berichtet.
Auch Warnmeldungen über die Apps NINA und Katwarn hätten während der Übung nach Angaben der Verantwortlichen nicht alle vorgesehenen Nutzer erreicht, hieß es laut Medienberichten.

EVN
