Die geplanten Trassenpreise für 2028 sehen im Schienengüterverkehr ein Plus von durchschnittlich über 14 Prozent vor – besonders drastisch trifft es mit Aufschlägen von rund 64 bis fast 85 Prozent jedoch Gefahrguttransporte und sehr schwere Züge. Der Interessenverband Die Güterbahnen warnt vor den Folgen.
Die DB InfraGO plant für 2028 deutliche Erhöhungen der Trassenpreise im Schienengüterverkehr. Nach Angaben der Interessenvertretung DIE GÜTERBAHNEN sollen die Preise im Standardsegment um 6,6 Prozent steigen, für Gefahrguttransporte um 63,5 Prozent und für sehr schwere Züge um 84,8 Prozent. Im Durchschnitt entspreche dies einem Anstieg von mehr als 14 Prozent. Bereits für 2027 sei ein Plus von knapp 13 Prozent vorgesehen. Über alle Verkehrsarten hinweg rechnet die DB InfraGO wohl mit zusätzlichen Einnahmen von 1,1 Milliarden Euro.
Die Güterbahnen kritisieren die geplanten Aufschläge und fordern eine Reform des Trassenpreissystems. Oliver Smock, Seniorreferent der Interessenvertretung, warnt, dass höhere Kosten insbesondere Transporte aus der Chemie-, Bau- und Stahlindustrie belasten könnten. Dadurch könnten Güter auf die Straße verlagert oder Produktionsstandorte ins Ausland verlegt werden. Als Ursache sieht der Verband ein System, das Infrastrukturkosten an die Eisenbahnverkehrsunternehmen weitergebe und die Preisbelastung anhand der angenommenen Markttragfähigkeit verteile.
Bei der Markttragfähigkeit handelt es sich um eine Einschätzung, wie stark ein Marktsegment auf Preisänderungen reagieren und auf andere Verkehrsträger ausweichen könnte. Nach Darstellung der Güterbahnen geht die DB InfraGO bei Gefahrgut und besonders schweren Güterzügen davon aus, dass die Kunden trotz höherer Preise weitgehend auf die Schiene angewiesen seien. Der Verband fordert deshalb wettbewerbsfähige Trassenpreise und mehrjährige Preisstabilität sowie ein Reformkonzept des Bundesverkehrsministeriums.

EVN
