Tod auf Schienen: Wie die niederländische Bahn mit einem Tabuthema bricht

Es ist ein ernstes, oft verschwiegenes Thema: Suizide im Bahnbereich. Doch wenn es passiert, betrifft es viele Menschen – allen voran die Lokführer. In den Niederlanden startet jetzt eine Aufklärungskampagne.

Mit persönlichen Erfahrungsberichten und einem Kampagnenfilm wollen die niederländische Bahnbranche und die Hilfsorganisation 113 auf Suizide auf Bahngleisen aufmerksam machen und zur Prävention beitragen.

Die niederländische Bahnbranche und die Suizidpräventionsorganisation 113 haben eine gemeinsame Kampagne gegen Suizide auf Bahngleisen gestartet. Nach Angaben der niederländischen Eisenbahngesellschaft NS sterben jährlich fast 200 Menschen durch Suizid auf den Gleisen; etwa ein Drittel davon sei jünger als 30 Jahre.

Die Kampagne mit dem Titel „Levens tot stilstand“ (deutsch: Leben zum Stillstand gebracht) soll auf die Folgen solcher Ereignisse für Angehörige und Bahnmitarbeiter aufmerksam machen. Laut NS seien im Durchschnitt etwa 135 Menschen von einem Suizid betroffen, darunter Angehörige, Lokführer, Zugbegleiter und Rettungskräfte. Für Beschäftigte im Bahnsektor können die Erlebnisse noch Jahre nachwirken.

Die Initiative umfasst einen Kampagnenfilm, persönliche Berichte von Betroffenen, Angehörigen und Bahnmitarbeitern sowie Online-Materialien zu Warnsignalen und Gesprächsführung. Der Film schildere die Krise eines jungen Erwachsenen und zeige, wie wichtig es sei, Notlagen zu erkennen, das Gespräch zu suchen und Hilfe anzunehmen. Die Musik wurde eigens für die Kampagne von Jack $hirak komponiert und produziert.

Die Branche arbeitet nach Angaben der niederländischen Bahn bereits seit 2010 mit 113 an einem nationalen Präventionsprogramm. Beteiligt sind unter anderem NS, Pro Rail, Arriva, Keolis und Qbuzz; bisher seien sowohl bauliche Schutzmaßnahmen als auch Schulungen für Mitarbeiter umgesetzt worden. An diesem Mittwoch soll zudem in verschiedenen Zügen eine Durchsage zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme aufrufen.

Hinweis zur Berichterstattung: Wir berichten in der Regel nicht über Selbsttötungen, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst von Depressionen oder Selbsttötungsgedanken betroffen sind, finden Sie bei der Telefon-Seelsorge rund um die Uhr anonyme Hilfe. Wenden Sie sich kostenfrei an die Rufnummern 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 oder nutzen Sie das Online-Angebot unter online.telefonseelsorge.de.

EVN