Wasserstoffzüge gelten heute im Regionalverkehr oft als zu teuer und ineffizient – zumal der bisherige Testbetrieb in Bayern von einigen Schwierigkeiten geprägt war. Dennoch gehen ab Dezember drei Neufahrzeuge im Raum Mühldorf (Oberbayern) in den Regelbetrieb. Wie die BEG den Einsatz begründet.
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) verteidigt den geplanten Betrieb neuer Wasserstoffzüge, teilt aber zugleich mit, dass der Einsatz dieser Technologie vorerst nicht ausgebaut wird. Weitere Strecken mit Wasserstoffzügen im bayerischen Regionalverkehr seien derzeit nicht geplant, erklärte ein Sprecher der BEG auf Nachfrage von Bahnblogstelle. Die BEG plant, finanziert und kontrolliert im Auftrag des bayerischen Verkehrsministeriums den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) im flächenmäßig größten Bundesland.
Vorausgegangen war ein weitgehend holpriger Testbetrieb im Raum Augsburg, der seit Ende 2024 läuft. Auf den von der Bayerischen Regiobahn (BRB) bedienten Strecken kam es seither zu zahlreichen Problemen. Die Erfahrungen beim Testbetrieb „sind bisher nicht zufriedenstellend“, sagte der BEG-Sprecher. „Aufgrund verschiedener Störungen am Fahrzeug und an der Tankstelle konnten viele Fahrten nicht wie geplant stattfinden.“ Zu Ausfällen von SPNV-Leistungen kam es jedoch „in der Regel nicht“, da Dieselzüge als Ersatz vorgehalten wurden, wie es hieß.
BEG sieht Lerneffekt durch Testbetrieb
Dennoch zieht die BEG eine positive Bilanz aus der Erprobung: „Bayern hat sich bewusst dafür entschieden, die Wasserstofftechnologie einschließlich Fahrzeug, Betankungsinfrastruktur und Betrieb ausführlich vor einem möglichen breiteren Einsatz unter Realbedingungen zu erproben, auch wenn ein Testbetrieb mit einer Ein-Fahrzeug-Flotte naturgemäß anfälliger für Ausfälle und Betriebsunterbrechungen ist“, erklärte der Sprecher. Die gewonnenen Erkenntnisse würden gemeinsam mit dem Zughersteller Siemens Mobility und der DB Energie GmbH in einem Lenkungskreis ausgewertet. Zudem habe ein Erfahrungsaustausch mit der Niederbarnimer Eisenbahn gezeigt, „dass der Betrieb dort aufgrund der größeren Fahrzeugflotte deutlich zuverlässiger läuft“.
Für den anstehenden Regelbetrieb zeigt sich die BEG optimistisch. Ab Dezember sollen drei Wasserstoffzüge fest auf der Strecke der Südostbayernbahn zwischen Mühldorf und Burghausen verkehren. Zuvor ist vom 10. August bis zum 6. September ein vierwöchiger Testlauf geplant.
Damals „noch deutlich mehr Euphorie für Wasserstoffzüge“
„Hauptvorteile sind die gegenüber Akkuzügen deutlich größere Reichweite von rund 1.000 km mit einer Tankfüllung und insbesondere die Unabhängigkeit von Streckenelektrifizierungen“, so der Sprecher. Letztere hingen stark von den Prioritäten des Netzeigentümers DB InfraGO und den Bundesmitteln ab. Neben dem emissionsfreien und leiseren Betrieb, der vor allem Anwohnern zugute kommt, verspricht die BEG den Fahrgästen mit den modernen Zügen mehr Komfort durch kostenloses WLAN und ein moderneres Fahrgastinformationssystem. Zudem sollen die höhere Höchstgeschwindigkeit und eine bessere Beschleunigung der Neufahrzeuge für Puffer im Fahrplan sorgen, um eventuelle Verspätungen effektiv abzubauen.
Dass die Wahl überhaupt auf Wasserstoff fiel, liegt laut der BEG an einer Entscheidung, die bereits vor über vier Jahren getroffen wurde. Damals sei die Technologie noch deutlich positiver bewertet worden als heute. Mittlerweile gelten Batteriezüge meist als wirtschaftlicher und effizienter. Seinerzeit habe es „in der Branche und in der Öffentlichkeit noch deutlich mehr Euphorie für Wasserstoffzüge“ gegeben. Auch der damalige Koalitionsvertrag in Bayern hatte die Etablierung einer Wasserstoffzuglinie vorgesehen. Für Mühldorf gaben schließlich die vorhandenen Flächen für eine Tankstelle und die direkte Nähe zur Wasserstofferzeugung im Chemiedreieck den Ausschlag, so der Sprecher.
Die Beschaffung der drei Wasserstoffzüge für die Südostbayernbahn und die dazugehörige Tankstelleninfrastruktur werden vom Bund mit 8,2 Millionen Euro gefördert. Bis 2040 will der Freistaat den bisherigen Dieselbetrieb im bayerischen Schienenpersonennahverkehr beenden.
EVN
