Bauunternehmerverband verteidigt Generalsanierungen im deutschen Schienennetz

Die Korridorsanierungen der Deutschen Bahn stoßen auf Kritik, sind aus Sicht der BVMB aber nicht die Ursache der aktuellen Probleme. Der Verband sieht vielmehr jahrzehntelange Investitionsrückstände, mangelhafte Bestandsdaten und fehlende Fachkompetenz als zentrale Ursachen.

Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) fordert eine sachliche Debatte über die Generalsanierungen im deutschen Schienennetz und weist pauschale Kritik an den Maßnahmen zurück. Nach Angaben der BVMB seien die Korridorsanierungen konzeptionell notwendig und machten vor allem bestehende strukturelle Probleme des Schienensystems sichtbar. Dazu zählt der Verband unter anderem Investitionsrückstände, unzureichende Planungsgrundlagen, fehlende Bestandsdaten und einen Verlust bahntechnischer Fachkompetenz.

Kritisch bewertet die BVMB die teils kurzen Vorbereitungszeiten für umfangreiche Sanierungsprojekte. Anpassungen laufender Programme, Terminverschiebungen und zusätzliche Sperrungen seien auch darauf zurückzuführen, dass politische Zielvorgaben und praktische Projektumsetzung teilweise nur wenige Monate auseinanderlägen.

Als weiteres Problem nennt der Verband veraltete oder unvollständige Bestandsunterlagen. Risiken würden dadurch teilweise erst während der Bauausführung erkannt, was die Termin-, Kosten- und Ausführungssicherheit beeinträchtigen könne.

Zudem warnt die BVMB vor einem weiteren Verlust technischer Fachkenntnisse bei Auftraggebern, Planern, Genehmigungsbehörden und Projektverantwortlichen. Für eine erfolgreiche Modernisierung seien aus Sicht des Verbands langfristige Finanzierung, realistische Vorbereitungszeiträume, belastbare Bestandsdaten und ausreichende technische Kompetenzen erforderlich.

Die BVMB empfiehlt außerdem eine bessere Verzahnung von Sanierung und Kapazitätsausbau. Gemeinsam mit zwei weiteren Verbänden der Bahn- und Bauwirtschaft habe sie sich deshalb in einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für eine Weiterentwicklung und Fortführung des Korridorsanierungskonzepts ausgesprochen.

EVN