Im Sommer bleiben immer wieder Fahrgäste an Bahnhöfen wegen überfüllter Züge zurück. Der Fahrgastverband Pro Bahn wünscht sich von den Bahnunternehmen mehr Engagement.
Der Fahrgastverband Pro Bahn in Berlin und Brandenburg wünscht sich von der Bahn angesichts zurückgelassener Fahrgäste bei überfüllten Zügen alternative Lösungen. „Für die Fahrgäste, die aus dem Zug verwiesen werden, müssen sich die Zugunternehmen um Alternativen kümmern“, sagte ein Sprecher des Verbandes. Das könne etwa ein bestellter Bus oder ein Taxigutschein sein. Es sei eine Frage des wertschätzenden Umgangs, „dass man dort niemanden im Niemandsland zurücklässt“.
Zudem forderte der Verband mehr Augenmaß und Kommunikation bei der Auswahl der Menschen, die wegen der Überfüllung aussteigen müssten. „Es muss klar kommuniziert werden, dass Fahrgäste nicht willkürlich ausgewählt werden“, führte der Sprecher aus. Es sollten nachvollziehbare Kriterien entwickelt werden, wer den Zug verlassen müsste, sollte eine Weiterfahrt nicht möglich sein oder der Zug im Notfall nicht evakuiert werden können.
Das seien in der Regel Menschen, „denen man es körperlich und psychisch zumuten kann, dass sie auf den nächsten Zug warten“. Diese müssten mindestens den Fahrpreis erstattet bekommen.
Fahrgastverband: Zurückgelassene Fahrgäste „Alltag“
Dass Fahrgäste nicht mitgenommen werden, ist laut Fahrgastverband auf vielen Strecken insbesondere in der Ferienzeit und an Wochenenden Alltag. Dabei gehe es meist um die Frage der Betriebssicherheit.
Diese sei etwa dann gefährdet, wenn Leute sich bei einer Gefahrenbremsung nicht mehr festhalten könnten. Die Entscheidung, Menschen zurückzulassen, sei mitunter auch riskant für das Zugpersonal, sagte der Sprecher. „Wir haben hier schon Fälle von Handgreiflichkeiten gehabt.“
Langfristig müsse das eigentliche Problem angegangen werden, betonte der Sprecher. Das Zugangebot könne die Nachfrage häufig nicht abbilden. Es würden zwar politisch motiviert gute Angebote geschaffen, wie das Deutschlandticket, aber das bedeutet auch eine erhöhte Nachfrage, die sich nicht in den Fahrplänen widerspiegele. Es brauche etwa eine leistungsfähigere Infrastruktur zwischen Berlin und der Ostsee, betonte der Sprecher.
Die Deutsche Bahn verwies darauf, dass die Länder für den Regionalverkehr zuständig seien. „Das heißt, sie bestellen Nahverkehrszüge“, sagte ein Sprecher der Bahn. Fahrgäste sollten auf hochfrequentierten Linien Online-Hinweise zur Auslastung im DB-Navigator nutzen oder frühere oder spätere Züge nehmen, die meistens nicht so voll seien. Nach Möglichkeit sollte man „nicht unbedingt an Freitagen und Sonntagen fahren“ und „Leihfahrräder vor Ort nutzen“.
dpa / EVN
