Ein Mireo-Zug hat im Forschungsprojekt AutomatedTrain eine vollautomatisierte Fahrt ohne Lokführer absolviert. Das Fahrzeug startete selbstständig, führte Systemtests durch, erkannte Hindernisse und fuhr von einer Abstellanlage zum Bahnhof. Die Technologie soll den Weg für künftige automatisierte Bahnsysteme ebnen.
Siemens Mobility hat gemeinsam mit Partnern die technische Machbarkeit eines vollautomatisierten Zugbetriebs im offenen Bahnnetz demonstriert. Nach Angaben des Bahntechnikherstellers absolvierte ein Zug im Forschungsprojekt AutomatedTrain eine vollautomatisierte Bereitstellungs- und Abstellfahrt ohne Lokführer. Der Zug machte sich nach einem Startbefehl selbstständig fahrbereit, führte erforderliche Selbsttests durch und fuhr anschließend fahrerlos von der Abstellanlage zum Startbahnhof. Eingesetzt wurde für die Präsentation ein Wasserstoffzug vom Typ Mireo Plus H auf einer Teststrecke in Berlin-Spandau.
Während der Fahrt erkannte das Fahrzeug Hindernisse eigenständig und reagierte darauf. Grundlage der Lösung sind unter anderem automatische Zugsteuerung, ETCS, intelligente Fahrzeugsteuerung sowie Sensoren zur Umfelderfassung und präzisen Lokalisierung. Eine zentrale Rolle übernimmt die sicherheitsgerichtete Plattform AVVO (Advanced Vital Vehicle Operation). Sie vernetzt die für den automatisierten Betrieb relevanten Systeme, überwacht die Zugbewegung und soll bei Störungen automatisch einen sicheren Zustand herstellen.
„AutomatedTrain zeigt: Vollautomatisiertes Fahren im offenen Bahnnetz ist machbar“, erklärte Marc Ludwig, CEO Rail Infrastructure bei Siemens Mobility. Gemeinsam mit Partnern habe man „die entscheidenden Technologien“ entwickelt und erfolgreich im Mireo-Zug demonstriert.
Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Johannes Steiniger (CDU), ergänzte: „Was wir hier sehen, ist die Zukunft der Mobilität. Hier wird erforscht, wie sich vollautomatisierte Züge künftig einsetzen lassen.“ Fahrerlose Zugfahrten würden gerade in Zeiten des Fachkräftemangels Möglichkeiten bieten, Bahnstrecken auch künftig weiterhin verlässlich zu bedienen und Züge flexibler einzusetzen, so Steiniger weiter.
Im Projekt wurden zudem Anforderungen und eine durchgängige Systemarchitektur für künftige vollautomatisierte Bahnsysteme entwickelt. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für eine spätere Standardisierung und Zulassung entsprechender Technologien dienen.
Das Forschungsprojekt wurde im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung durchgeführt und aus Mitteln der Europäischen Union kofinanziert. Siemens Mobility sieht in den Ergebnissen einen wichtigen Schritt zur weiteren Automatisierung des Schienenverkehrs.

EVN
