Comeback für alte Güterwagen – DB Cargo sieht keine Lärmschutz-Hürde

Hunderte ältere Güterwagen will DB Cargo wegen der Niedrigwasser-Situation für die Verlagerung von Fracht auf die Schiene reaktivieren. Auf eine Nachrüstung mit leiseren Flüsterbremsen kann bei den eigenen Wagen verzichtet werden – sie sind nach Angaben der Bahn bereits entsprechend ausgestattet.

Bei den eigenen DB-Cargo-Wagen ist eine zusätzliche Nachrüstung der Bremsen nach Angaben der Deutschen Bahn nicht erforderlich. „Bei DB Cargo sind alle eigenen Güterwagen bereits auf die sogenannte Flüsterbremse aus Verbundmaterial umgerüstet“, teilte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage von Bahnblogstelle mit.

Die Aussage ist vor dem Hintergrund der geplanten Reaktivierung länger abgestellter Güterwagen relevant. DB Cargo will angesichts der eingeschränkten Binnenschifffahrt zusätzliche Transportkapazitäten auf der Schiene schaffen. Nach Medienberichten sollen bis zu 900 abgestellte Güterwagen wieder mobilisiert werden, rund 300 davon könnten kurzfristig zur Verfügung stehen.

Flüsterbremsen reduzieren Schienenlärm

Die Verbundstoffbremsen ersetzen bei Güterwagen die früher verbreiteten Grauguss-Bremssohlen. Diese rauen die Oberfläche der Räder stärker auf und verursachen dadurch beim Rollen des Zuges ein deutlich lauteres Abrollgeräusch. Flüsterbremsen aus Verbundmaterial reduzieren diesen Effekt und damit den Schienenlärm.

Die Umrüstung der Güterwagen war in Deutschland ein wesentlicher Bestandteil der Maßnahmen zur Lärmminderung im Schienengüterverkehr. Seit Dezember 2024 dürfen laute Güterwagen auf sogenannten leiseren Strecken des deutschen Schienennetzes grundsätzlich nicht mehr eingesetzt werden.

Die Deutsche Bahn hatte vor gut fünf Jahren mitgeteilt, dass ihr eigener Güterwagenbestand aus damals rund 63.000 Wagen auf leisere Bremsen umgerüstet worden sei. Die aktuelle Aussage der Bahn bezieht sich ausdrücklich auf die eigenen Güterwagen von DB Cargo.

Über die Internetseite der Bahn wird die Größe des Fuhrparks von DB Cargo mit insgesamt rund 82.000 Güterwagen angegeben. Darin enthalten sind neben eigenen auch gemietete und geleaste Wagen.

Wagentechnische Untersuchung notwendig

Damit ist zumindest die Frage einer zusätzlichen Lärmschutz-Nachrüstung bei den eigenen DB-Cargo-Wagen geklärt. Vor einer Reaktivierung müssen die abgestellten Wagen jedoch einer „wagentechnischen Untersuchung“ nach den „geltenden Regelwerken“ unterzogen werden, so die Sprecherin. Die Verkehrssicherheit habe höchste Priorität und sei Voraussetzung für jeden Einsatz im Betriebsdienst.

Welche konkreten Arbeiten an den Wagen notwendig sind, wie viele Fahrzeuge davon betroffen sind und welche Kosten entstehen, bezifferte die Bahn nicht.

Einsatz abhängig von Bedarf

Auch einen konkreten Termin für die ersten Einsätze nennt DB Cargo bislang nicht. „Umfang und Zeitpunkt“ würden sich „nach dem tatsächlichen Bedarf und den konkreten Transportaufträgen“ der Industriekunden richten, erklärte die Bahnsprecherin.

Die zusätzlichen Wagen sollen helfen, Transporte aufzufangen, die wegen des niedrigen Wasserstands – unter anderem auf dem Rhein – nicht oder nur eingeschränkt mit Binnenschiffen durchgeführt werden können. Besonders relevant ist dies für Industriezweige, die auf den Rhein als Transportweg angewiesen sind, darunter die Chemie- und Energiebranche.

Die zusätzlichen Transporte sind dabei nicht von vornherein auf einzelne Strecken oder bestimmte Gleise festgelegt. Nach Angaben der Bahn werden Verkehre im Schienengüterverkehr grundsätzlich großräumig und flexibel über europäische Frachtkorridore (RFC) geplant und gesteuert. Die Routenführung erfolgt in Abstimmung mit den Kundinnen und Kunden sowie den beteiligten Infrastrukturpartnern.

Laut der Bahn können zusätzliche Verkehre, etwa infolge der aktuellen Niedrigwassersituation, derzeit im Rahmen der bestehenden betrieblichen Prozesse organisiert werden. DB InfraGO koordiniert demnach täglich rund 50.000 Zugfahrten, davon rund 4.500 Güterzugfahrten im deutschen Schienennetz. „Aktuell gibt es deshalb keine Einschränkungen für den Bahnbetrieb“, teilte die Sprecherin mit.

EVN