Nach fast elf Jahren Unterbrechung fahren wieder Züge zwischen Ostfriesland und den Niederlanden: Die neue Friesenbrücke über die Ems und die Bahnstrecke Leer–Groningen sind fertiggestellt.
Mit einer Sonderfahrt ist nach mehr als einem Jahrzehnt Unterbrechung der grenzüberschreitende Zugverkehr zwischen Leer in Ostfriesland und Groningen in den Niederlanden wieder aufgenommen worden. Der erste Zug erreichte am Vormittag den Bahnhof in Weener (Landkreis Leer). Die Strecke ist ein erster Teil der sogenannten Wunderline, die künftig Bahnreisen zwischen Groningen und Bremen schneller und komfortabler machen soll. Regulär sollen vom 5. Oktober an wieder Regionalzüge auf der Strecke Leer–Groningen rollen.
Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne sprach bei der Eröffnungsfeier von einem „großartigen Tag“. Der SPD-Politiker erinnerte daran, dass es schon 2013 die ersten Überlegungen gegeben habe, wie die Grenzregion enger zusammenwachsen könne. Mit dem Start der Wunderline sei man nun einen „großen Schritt weitergekommen“.
Neue Friesenbrücke ist Superlativ
Teil der Bahnstrecke ist die bereits im vergangenen Sommer eröffnete neue Friesenbrücke über die Ems – es ist nach Angaben der Bahn die größte Eisenbahn-Hub-Dreh-Brücke Europas. Seitdem ein Frachter 2015 die damals geschlossene Klappbrücke bei Weener gerammt und zerstört hatte, war die Emsquerung für den Bahnverkehr unterbrochen und damit auch der grenzüberschreitende Zugverkehr in die Niederlande.
Mit dem Start der Wunderline werde eine Verbindung gefeiert, die „nach einer langen und belastenden Unterbrechung“ wieder zum Leben erwache, sagte René Paas, der Kommissar des niederländischen Königs in der Provinz Groningen. „Alles ist wieder in Ordnung, die Schwellen sind tipptopp, die Schienen glänzen, der Fahrplan steht.“ Die grenzüberschreitende Verbindung komme Arbeitnehmern, Studierenden, Touristen und Familien zugute.
Ursprünglich war der Neustart der deutsch-niederländischen Bahnverbindung zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 geplant gewesen. Doch durch häufigen Starkregen und schlechte Bodenverhältnisse verzögerten sich die Bauarbeiten. Und auch die Kosten stiegen deutlich an. Bei Baubeginn waren noch Investitionen von 180 Millionen Euro veranschlagt worden – inzwischen beziffert die Bahn die Ausgaben auf rund 250 Millionen Euro.
Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt, dass zwischen Groningen und Leer nun wieder Züge fahren, kritisiert aber, dass es so lange gedauert hat. „Es ist eine Farce, dass es elf Jahre gedauert hat, um die Brücke neu zu bauen und weniger als 20 Kilometer Strecke instand zu setzen“, sagte der Landesvorsitzende Malte Diehl in einer Mitteilung. „Ich behaupte: Eine Autobahnbrücke wäre in drei oder vier Jahren fertig gewesen.“

dpa
