Nach 178 Jahren endet in Kassel die Ära der Lokomotiven. Was Rheinmetall mit dem Werk plant und wie die Beschäftigten darauf reagieren.
Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall übernimmt das Kasseler Lokomotiven-Werk des französischen Bahntechnikherstellers Alstom. „Beide Unternehmen begrüßen die Möglichkeit, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute Perspektive eröffnen zu können“, teilte ein Sprecher von Alstom Deutschland auf Anfrage mit. In dem Werk arbeiten rund 750 Menschen. Zuerst hatte die Zeitung Hessische Niedersächsische Allgemeine berichtet.
Man habe sich grundsätzlich zu wesentlichen Eckpfeilern geeinigt, erklärte ein Rheinmetall-Sprecher. Es sei das gemeinsame Ziel, dass Alstom-Mitarbeiter künftig bei der Rheinmetall Landsysteme am Standort Kassel eine Beschäftigung finden können. Details würden derzeit noch verhandelt. Laut IG Metall müssen noch zahlreiche Details des Übergangs geregelt werden, gegen den es zunächst auch Proteste gegeben hatte.
In Arbeitnehmerkreisen wird damit gerechnet, dass Rheinmetall die erfolgreiche Radpanzer-Produktion ausweiten wird, die bereits in direkter Nachbarschaft des Alstom-Werkes läuft. Damit würde nach 178 Jahren die große Kasseler Tradition des Baus von Lokomotiven enden.
Im Juli 1848 hatte die Firma Henschel eine erste Dampflok vom Typ Drache ausgeliefert. Das Unternehmen war auch Keimzelle für den Bau von Lastwagen, Kanonen und Panzern. Im Zweiten Weltkrieg waren die nordhessische Stadt und die Henschel-Werke daher Ziel schwerer Bombardierungen durch die Alliierten.
Alstom versicherte, dass das Unternehmen auch in Zukunft Lokomotiven baut und seine Kunden nahtlos und vertragskonform beliefern werde.

dpa
