Mit 22 kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen will die Bundesregierung die Pünktlichkeit im Bahnverkehr verbessern. Der Abschlussbericht der Taskforce „Zuverlässige Bahn“ setzt auf operative Eingriffe und Digitalisierung.
Die Taskforce „Zuverlässige Bahn“ hat ihren Abschlussbericht mit 22 Maßnahmen zur Verbesserung von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit im Schienenverkehr vorgelegt. Das Bundesverkehrsministerium erklärte, der Bericht markiere zugleich den Beginn der Umsetzung, die von allen Akteuren des Sektors gemeinsam getragen werden soll.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach von einem wichtigen Meilenstein der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“. Ziel sei es, bereits in den Jahren 2026 und 2027 spürbare Verbesserungen für Fahrgäste zu erreichen. An der Taskforce waren seit November 2025 Vertreter von Bund, Ländern, Behörden, Bahnunternehmen sowie Verbänden beteiligt.
Zu den zentralen Maßnahmen zählen sogenannte „Joker-Gleise“, die an stark ausgelasteten Bahnhöfen zusätzliche Flexibilität bei Störungen schaffen sollen, sowie „Flex-Abfahrten“, bei denen Abfahrtszeiten betrieblich vorgezogen werden, um Verspätungen zu reduzieren. Darüber hinaus sind größere zeitliche Puffer zwischen Zügen, mehr Personal zur Lenkung von Reisenden an Bahnsteigen und der Einsatz digitaler Technologien vorgesehen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung: Künftig soll eine KI-gestützte Dispositionsassistenz die Steuerung des Zugverkehrs unterstützen, während ein digitaler Befehl bei Störungen die bislang zeitaufwendige Kommunikation beschleunigen soll.
Mit dem Maßnahmenpaket verfolgt die Bundesregierung das Ziel, kurzfristig die Betriebsqualität zu stabilisieren und mittelfristig die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs nachhaltig zu erhöhen.
Alle 22 Maßnahmen in der Übersicht
Themenfeld: Schnelle Stabilisierung hochbelasteter Knoten
- Maßnahme 1: Entwicklung von spezifischen Instrumenten für hochbelastete Knoten – Unter anderem Nutzung eines „Joker-Gleis“
- Maßnahme 2: Pünktlichkeits- und kapazitätsorientierte Nutzungsbedingungen – Einführung von „Experimentierklauseln“ und verbindlichen Pufferzeiten
- Maßnahme 3: Flexibilisierung der Abfahrtzeiten in Fahrplan und Betrieb – Einsatz von „Flex-Abfahrten“
- Maßnahme 4: Schnellerer Ein- und Ausstieg durch „Reisendenlenker am Gleis“
Themenfeld: Verbesserungen bei der Disposition
- Maßnahme 5: Standardisierung der Dispositionskonzepte im Störungsfall – Entwicklung von „Schubladenkonzepten“
- Maßnahme 6: Ausweitung der Streckendisposition – Zugbetreuung durch „Start-Ziel-Lotsen“
- Maßnahme 7: Abschluss verbindlicher Dispositionsvereinbarungen zwischen Verkehrsunternehmen – Anwendung abgestimmter Regeln für betriebliche Konflikte
- Maßnahme 8: Vereinfachung von Regelwerken für den Eisenbahnbetrieb – Überarbeitung von drei Regelwerken bis Ende 2026
- Maßnahme 9: Verringerung der Wartezeit bei Betriebsstörungen – Flächendeckender Einsatz des „Digitalen Befehls“
- Maßnahme 10: KI-basierte Assistenz in der Zugdisposition – Frühzeitiges Erkennen und Auflösen von Konflikten
- Maßnahme 11: Gemeinsame virtuelle Betriebszentrale – Erleichterung des kontinuierlichen Informationsaustauschs
- Maßnahme 12: Konzentration der Zugverkehrssteuerung in der Fläche – Einführung Digitaler Technikzentralen – Vier Piloten bis 2027
Themenfeld: Koordinierung des Baugeschehens und schnelle Störungsbeseitigung
- Maßnahme 13: Gemeinsame Konzeption des Bauprogramms – Entwicklung von Bau-Informationsdialogen
- Maßnahme 14: Standardisierung und Digitalisierung des Betriebs während Bauarbeiten – Konsequente Nutzung von „Instandhaltungscontainern“
- Maßnahme 15: Erprobung und Einführung von effizienten und innovativen Bauverfahren
- Maßnahme 16: Schnelle Störungsbeseitigung bei Infrastruktur und Fahrzeugen – Einführung von 24-Stunden-pro Tag Notfalleinsatzteams und besserer Winterdienst
- Maßnahme 17: Beschleunigte Verfahren bei Personen und Tieren im Gleis – Reduktion von betrieblichen Auswirkungen
- Maßnahme 18: Präventive Störungsvermeidung bei Infrastruktur und Fahrzeugen – Frühzeitige Identifizierung und Vorbeugung von Störungsursachen
- Maßnahme 19: Leistungsfähige Umleiterstrecken und Ersatzverkehre
- Maßnahme 20: Digitalisierung der Planungs- und Abnahmeprozesse für Infrastruktur und Fahrzeuge – Umsetzung von Pilotprojekten
Themenfeld: Verlässliche Daten für Reisendeninformation und Betrieb
- Maßnahme 21: Verlässliche Daten für Reisende – Sicherstellung der Informationsflüsse
- Maßnahme 22: Verlässliche Daten für den Betrieb – Unter anderem Vereinheitlichung von Bahnsteigdaten
EVN
