DB-InfraGO-Chef Nagl macht Vorschlag für neue Regelung bei Personen im Gleis

Neben technischen Störungen sind Personen im Gleis ein alltägliches Problem. DB-InfraGO-Chef Nagl wünscht sich hier eine gesetzliche Änderung, damit der Zugverkehr aufrechterhalten werden kann – sofern keine Kinder beteiligt sind oder eine unmittelbare Gefahr droht.

Bei Personen im Gleis sollte es nach Ansicht von DB-InfraGO-Chef Philipp Nagl künftig bessere Regeln für den Zugverkehr geben. In einem Youtube-Video mit dem früheren TRI-Geschäftsführer Tobias Richter sprach er zudem über störanfällige Bahnübergänge und die Folgen für den Bahnbetrieb.

Störungen von Bahnübergängen

Richter kritisierte in dem veröffentlichten Gespräch insbesondere häufige Störungen an Bahnübergängen zwischen Krefeld und Neuss. Er verwies darauf, dass ihn die Probleme bereits seit seiner Zeit als Geschäftsführer der National Express in der Region beschäftigten und die Ausfälle für Eisenbahnunternehmen unmittelbar wirtschaftliche Folgen hätten.

Nagl räumte ein, dass viele Bahnübergänge überaltert seien. Ihre Erneuerung sei zudem häufig mit der Modernisierung der Stellwerkstechnik verbunden und wegen der Beteiligung von Kommunen und Landesbehörden komplex. Die Zahl der jährlich erneuerten Anlagen sei in der Vergangenheit zu gering gewesen.

DB InfraGO konzentriere sich nach Nagls Angaben insbesondere auf Bahnübergänge, an denen wegen technischer Probleme die Geschwindigkeit der Züge reduziert werden müsse, sowie auf besonders störanfällige Anlagen. Die von Richter angesprochenen Übergänge im Raum Meerbusch-Osterath gehörten zu den besonders anfälligen Anlagen in Deutschland.

Stillstand des Zugverkehrs bei Personen im Gleis

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs waren Personen im Gleis. Richter kritisierte die daraus entstehenden Verspätungen und stellte infrage, ob bei jeder entsprechenden Meldung der gesamte Zugverkehr stillstehen müsse. Als Beispiel nannte er die Auswirkungen einer längeren Sperrung der Rheinbrücke auf den bundesweiten Bahnverkehr.

Nagl sagte, die Regelungen zum Umgang mit Personen im Gleis seien vor rund anderthalb Jahren vereinfacht und präzisiert worden. Dabei werde mittlerweile zwischen Personen und Kindern im Gleis unterschieden. Dadurch seien die entsprechenden Verspätungsminuten im vergangenen Jahr erstmals seit längerer Zeit zurückgegangen, nach seiner Einschätzung aber weiterhin zu hoch.

Nagl: Weiterfahren mit 40 oder 50 km/h

Der DB-InfraGO-Chef sprach sich für eine gesetzliche Änderung aus. Bei Erwachsenen im Gleis könne aus seiner Sicht eine klare betriebliche Regelung geschaffen werden, die etwa eine Weiterfahrt mit 40 oder 50 Kilometern pro Stunde ermögliche, anstatt die Lokführer auf Sicht fahren zu lassen. Damit ließe sich nach Nagls Einschätzung die Weiterfahrt eindeutiger regeln und der Betriebsablauf stabilisieren. Eine solche Regelung müsse zugleich gewährleisten, dass Züge bei einer unmittelbar erkannten Gefahr noch rechtzeitig anhalten könnten.

Nagl verwies zugleich darauf, dass die Bundespolizei insbesondere dann eine Weiterfahrt untersage, wenn eigene Einsatzkräfte das Gleis betreten müssten. In solchen Fällen sei ein Halt des Zugverkehrs aus seiner Sicht völlig nachvollziehbar.

Das Gespräch wurde auf dem Youtube-Kanal von Philipp Nagl veröffentlicht. Neben den betrieblichen Problemen ging es in dem Gespräch auch um den Einsatz älterer Lokomotiven und Personenzugwagen sowie die Perspektive des Eisenbahnunternehmens TRI Train Rental GmbH. Richter ist Gründer und Gesellschafter des Unternehmens und war früher Geschäftsführer. TRI ist unter anderem auf den Einsatz und die Vermietung älterer Fahrzeuge spezialisiert.

EVN