Bürgerinitiativen fordern den Stopp der Pläne der Bahn für die Neubaustrecke Hamburg–Hannover. Erst sollten die bestehenden Trassen saniert und ausgebaut werden.
Gegen eine neue Schnellfahrstrecke der Bahn von Hamburg nach Hannover entlang der A7 haben Bürgerinitiativen in Salzhausen im Landkreis Harburg demonstriert. Unter dem Motto „Wir wählen Alpha-E – Gemeinsam auf dem richtigen Gleis“ will die Veranstaltung ein Zeichen für den Ausbau der Bestandsstrecken setzen. Nach Polizeiangaben waren rund 500 Menschen vor Ort, die Organisatoren sprachen von gut 1000 Teilnehmern.
Vor dem Hintergrund der Kommunalwahlen am 13. September wollen die Veranstalter auf die Bedeutung einer zukunftsfähigen und verträglichen Schieneninfrastruktur für die Region aufmerksam machen. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Neubaustrecke, aber man hat uns als Region ein Versprechen zum Ausbau und der Ertüchtigung der Strecke gegeben“, sagte Bürgermeister Jens Köster (parteilos) vor der Veranstaltung. Die Bahn habe das nie eingelöst und sich nur auf den Neubau fokussiert.
Bürgermeister richtet „Appell nach Berlin“
Köster richtete am Sonntag erneut einen „Appell nach Berlin“ und sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es darf keinen Neubau durch die Heideregion geben gegen die Interessen und gegen den Willen der Bürgerinnen und Bürger in der Region und gegen die Interessen der Landespolitik.“
Die von der Bahn favorisierte Strecke soll an der A7 entlangführen, weicht in weiten Teilen aber davon ab. So würde die Neubaustrecke das Gebiet der Samtgemeinden Salzhausen und Hanstedt, der Gemeinde Seevetal sowie des Heidekreises durchschneiden.
Die Kritiker monieren, dass der vor Jahren gefundene Kompromiss beim Dialogforum Schiene Nord für den Ausbau der Bestandsstrecken von der Bahn nicht eingehalten werde. Er wird Alpha-E-Kompromiss genannt und sieht unter anderem ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen vor.
Bürgerinitiativen sehen Gefahr der Verzögerung
Wenn man allein auf die etwa 109 Kilometer lange Neubaustrecke setze, habe man erst, wenn sie komplett fertig gestellt sei, einen Nutzen, so die Kritik. Abzweigungen sind nicht geplant.
Begründet werden die Neubaupläne mit den Zielen des „Deutschlandtakts“. Dieser soll irgendwann die wichtigen Hauptachsen des Fernverkehrs im halbstündlichen Rhythmus verbinden. Das soll zu besseren Umsteigemöglichkeiten und deutlich kürzeren Reisezeiten führen. Die bisherige Strecke Hamburg-Hannover gehört laut Bahn zu den am stärksten überlasteten Deutschlands.
Kritisch eingestellt ist auch die Landesregierung. Niedersachsen dringt konkret auf eine Umsetzung der Ausbauvariante Alpha-E. „Diese Lösung ist wirklich schneller, denn sie ist die realistische“, sagt Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). „Die Bahn plant etwas, was 30 Jahre überhaupt nicht die Chance hat, zu wirken, wenn es denn überhaupt Chance auf Umsetzung hat. Wir müssen aber das zügig Machbare in den Mittelpunkt setzen und nicht die Option für unsere Enkelkinder.“

dpa / EVN
