Allianz pro Schiene: Bund muss Oberleitungs-Ausbau schneller vorantreiben

Der Ausbau elektrischer Bahnstrecken in Deutschland kommt nach Einschätzung der Allianz pro Schiene zu langsam voran. Das Verkehrsbündnis fordert vom Bund schnellere Genehmigungen und mehr Investitionen in die Elektrifizierung des Schienennetzes.

Die Allianz pro Schiene hat die Bundesregierung zu einem beschleunigten Ausbau elektrischer Oberleitungen im deutschen Schienennetz aufgefordert. Nach Angaben des Verkehrsbündnisses ist der Elektrifizierungsgrad des Bundesschienennetzes in den vergangenen 15 Jahren lediglich um vier Prozentpunkte gestiegen. Ende 2025 seien knapp 63 Prozent des Netzes mit Oberleitungen ausgestattet gewesen. Im vergangenen Jahr kamen demnach lediglich etwas mehr als 60 zusätzliche Streckenkilometer hinzu.

Aus Sicht der Allianz pro Schiene bleibt Deutschland damit deutlich hinter den Möglichkeiten und Erfordernissen eines leistungsfähigen Bahnnetzes zurück. Der Geschäftsführer des Bündnisses, Dirk Flege, kritisiert insbesondere Verzögerungen bei der Umsetzung bereits geplanter Projekte. Obwohl zahlreiche Vorhaben baureif seien, würden Entscheidungen über den Ausbau ausgebremst. Dies stehe im Widerspruch zu politischen Zielen, Infrastrukturprojekte schneller umzusetzen.

Nach Einschätzung der Allianz pro Schiene könnte eine stärkere Elektrifizierung mehrere Vorteile für den Personen- und Güterverkehr bringen. Elektrisch betriebene Strecken würden mehr Flexibilität im Netz schaffen und zusätzliche Umleitungsoptionen während Baumaßnahmen ermöglichen. Zudem könnten längere und schwerere Güterzüge verkehren. Gleichzeitig würde der Einsatz von Diesellokomotiven weiter zurückgehen, wodurch die Klimabilanz des Bahnverkehrs verbessert werden könnte.

Das Bündnis verweist zudem auf Empfehlungen der Beschleunigungskommission Schiene aus dem Jahr 2022. Diese hatte unter anderem vorgeschlagen, Planungsverfahren für Elektrifizierungsprojekte zu vereinfachen und auf aufwendige Einzelfallprüfungen beim Ausbau bestehender Strecken zu verzichten. Zusätzliche Mittel könnten nach Ansicht der Allianz pro Schiene aus dem Klima- und Transformationsfonds bereitgestellt werden.

Langfristig hält die Organisation eine Elektrifizierung von 80 Prozent des deutschen Schienennetzes bis zum Jahr 2035 für realistisch – vorausgesetzt, Genehmigungsprozesse werden beschleunigt und Investitionen konsequent umgesetzt.

EVN