BUND fordert schnelleres Tram-Netz für Berlin-Spandau

Der Bezirk Spandau ist laut einer Umfrage Schlusslicht bei der Zufriedenheit mit Bus und Bahn in Berlin. Der Verband BUND fordert deshalb einen schnellen Ausbau des Straßenbahnnetzes und kritisiert Pläne für Magnetschwebebahn und U-Bahn-Ausbau.

Nach einer aktuellen Umfrage zur Zufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr sieht der Landesverband Berlin vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dringenden Handlungsbedarf im Bezirk Spandau. Hintergrund ist eine Erhebung des Tagesspiegels, nach der der Nordwestbezirk mit einem Wert von 2,67 auf einer Skala von eins bis fünf berlinweit die geringste Zufriedenheit mit dem Angebot von Bussen und Bahnen aufweist. Bezirke wie Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg schnitten demnach deutlich besser ab.

Aus Sicht des BUND lässt sich die Situation vor allem durch einen zügigen Ausbau des Straßenbahnnetzes verbessern. Der Verband bezeichnet die Straßenbahn als vorrangige Lösung, um überlastete Busverbindungen zu entlasten und die ÖPNV-Qualität in Spandau zeitnah zu steigern. Verkehrsexpertin Katharina Wolf kritisierte insbesondere erneute Prüfungen geplanter Tramprojekte, da diese aus ihrer Sicht notwendige Verbesserungen verzögerten.

Zugleich äußert sich der BUND kritisch gegenüber alternativen Konzepten wie einer Magnetschwebebahn zwischen der Urban Tech Republic und Gartenfeld oder einer Verlängerung der U-Bahn. Der Verband argumentiert, eine Magnetschwebebahn könne schlechter in bestehende Verkehrsnetze integriert werden, verursache höhere Anforderungen an Barrierefreiheit und berge Risiken durch die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern. Auch eine Verlängerung der U-Bahn von Rathaus Spandau zur Heerstraße Nord wird skeptisch bewertet, da Kosten und Nutzen aus Sicht des Verbands in keinem angemessenen Verhältnis stünden.

Darüber hinaus verweist der BUND auf den hohen Anteil des Autoverkehrs in Spandau. Laut der Studie „Mobilität in Städten“ lag dieser 2023 bei 35 Prozent und damit höher als in allen anderen Berliner Bezirken. Der Anteil von öffentlichem Nahverkehr und Fahrradverkehr gehöre gleichzeitig zu den niedrigsten in Berlin.

Als kurzfristige Alternative diskutierte Doppelgelenkbusse bewertet der Verband ebenfalls zurückhaltend. Der notwendige infrastrukturelle Umbau könne aus Sicht des BUND ähnlich aufwendig sein wie der Bau neuer Straßenbahnstrecken.

EVN