Zugunglück in Spanien: Funkkommunikation wirft Fragen auf

Eine Anweisung zur Wiederaufnahme des regulären Zugbetriebs könnte bei dem tödlichen Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien eine entscheidende Rolle gespielt haben. Medienberichte über Funkmitschnitte lenken den Blick auf mögliche Fehler in der Leitstelle.

Nach dem tödlichen Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in der spanischen Provinz Toledo richten sich die Ermittlungen auch auf die Kommunikation zwischen der Bahnleitstelle in Madrid und den Lokführern. Spanische Medien berichten unter Berufung auf Audiomitschnitte, die Leitstelle habe beiden Zügen die Wiederaufnahme des normalen Fahrbetriebs signalisiert, obwohl das Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktioniert habe.

Demnach habe der Lokführer eines Zuges der staatlichen Bahngesellschaft Renfe die Anweisung zur normalen Fahrt bestätigt bekommen. Der Zug sei anschließend auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo aufgefahren. Dessen Lokführerin habe laut den Berichten auf Probleme mit dem Systemneustart hingewiesen und erklärt, deshalb noch vor einem Signal zu stehen.

Laut den zitierten Medien hätte der Renfe-Zug unter den gegebenen Umständen möglicherweise höchstens 40 Kilometer pro Stunde und auf Sicht fahren dürfen. Die genaue Unfallursache ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen auf 69; zahlreiche Verletzte wurden weiterhin in Krankenhäusern behandelt.

Die Rettungskräfte setzten die Bergung zerstörter Waggons und die Suche nach Opfern fort. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte den Betroffenen Unterstützung zu und kündigte an, die Sicherheit im Bahnverkehr zu verstärken.

EVN / dpa