Für die Bahnstrecken Kiel–Hamburg und Hamburg–Itzehoe sind neue Doppelstockzüge vorgesehen. Doch die Auslieferung verschiebt sich – wie der Verkehr bis dahin gesichert werden soll.
Pendlerinnen und Pendler werden erst deutlich später als bislang geplant mit neuen Elektrozügen auf den Bahnstrecken Kiel–Hamburg und Hamburg–Itzehoe unterwegs sein. Die Auslieferung von 42 Doppelstockzügen für die Netze Mitte und Süd-West beginnt erst 2028, sagte ein Sprecher des Herstellers Alstom. Ursprünglich war der Einsatz der Fahrzeuge ab Dezember 2027 vorgesehen. Zuvor hatten die Kieler Nachrichten berichtet.
Grund für die verspätete Auslieferung seien unvorhergesehene Herausforderungen im Produktionsprozess und im Zulassungsverfahren, sagte der Alstom-Sprecher. „Im Ergebnis wird für die Auslieferung der neuen Doppelstockzüge mehr Zeit benötigt als ursprünglich angenommen.“ Die Serienproduktion sei kürzlich angelaufen. „Die Tests laufen, in Deutschland und auf einem Testring in Tschechien.“
Drohen deshalb Zugausfälle ab Ende kommenden Jahres? Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel sagte dem Blatt, „dass sich die Auslieferung der Züge für die Netze Mitte und Süd-West erheblich verzögert, ist nicht akzeptabel.“
Der Alstom-Sprecher erklärte, der Bahnverkehr im Netz Mitte/Süd-West werde bis zum Einsatz der neuen Coradia-Max-Züge mit Ersatzfahrzeugen sichergestellt.
SPD-Spitzenkandidat Ulf Kämpfer sprach von einem weiteren Rückschlag für Pendlerinnen und Pendler. „Schon heute bestimmen Verspätungen und Ausfälle den Alltag auf der Strecke.“ Notwendig sei ein Störfallmanagement. „Dazu gehört, dass das Land selbst für Alternativen sorgt, wenn die Bahn dauerhaft unzuverlässig ist, notfalls mit Landesbussen.“
Schwarz-Grün müsse einen belastbaren Ersatzplan vorlegen. „Die Menschen müssen wissen, welche Fahrzeuge fahren werden, ob genügend Plätze vorhanden sind und ob der vollständige Fahrplan gesichert ist. Ebenso muss klar sein, welche Ansprüche das Land gegenüber Alstom geltend macht.“
Die SSW-Verkehrspolitikerin Sybilla Nitsch erklärte, ausgerechnet für den ohnehin gebeutelten Norden drohten weitere Verschlechterungen. „Die versprochene durchgehende RE7-Verbindung von Hamburg über Flensburg nach Tinglev wurde bereits auf 2028 verschoben. Nun gefährden die Lieferprobleme auch diesen Zeitplan.“ Auch sie forderte vom Land einen belastbaren Notfallplan.
Die Europäische Investitionsbank hatte Schleswig-Holstein einen Kredit von 250 Millionen Euro für den Kauf der Elektrozüge gegeben. Alstom hatte im Juli 2023 den Auftrag erhalten, die 42 Züge zu bauen und instand zu setzen. Zudem soll das Unternehmen die Züge über 30 Jahre warten.

dpa
