Pro Bahn sieht den öffentlichen Nahverkehr in Sachsen unter Druck. Geplante Einsparungen in mehreren Regionen könnten aus Sicht des Verbands zu schlechteren Verbindungen, weniger Fahrgästen und langfristigen Standortnachteilen führen.
Der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland warnt vor einem deutlichen Abbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Sachsen. Hintergrund sind aktuelle Beschlüsse und diskutierte Sparmaßnahmen in Chemnitz, dem Landkreis Bautzen sowie in Dresden. Nach Einschätzung des Verbands drohen erhebliche Einschränkungen für Fahrgäste, die weitreichende Folgen für Mobilität, soziale Teilhabe und die Attraktivität ganzer Regionen haben könnten.
In Chemnitz hat der Stadtrat beschlossen, das Nahverkehrsangebot zu reduzieren, um jährlich mehrere Millionen Euro einzusparen. Vorgesehen sind unter anderem geringere Taktungen und ein früher beginnender Nachtfahrplan ab 22:45 Uhr. Pro Bahn kritisiert insbesondere die möglichen Auswirkungen auf Schichtarbeitende sowie auf Menschen ohne eigenes Auto. Aus Sicht des Verbands könnte ein eingeschränktes Angebot dazu führen, dass Fahrgäste wieder verstärkt auf den Individualverkehr umsteigen.
Besonders kritisch bewertet Pro Bahn die Entwicklungen im Landkreis Bautzen. Dort hatte der Kreistag Ende Mai beschlossen, Einsparungen im ÖPNV vorzunehmen, um finanzielle Mittel zur Sicherung der Geburtshilfe am Krankenhaus Kamenz bereitzustellen. Geplant sind Kürzungen insbesondere im Wochenend- und Ferienverkehr. Der Verband kritisiert, dass damit zwei Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge – Gesundheitsversorgung und Mobilität – gegeneinander ausgespielt würden.
Auch in Dresden stehen nach Angaben von Pro Bahn mögliche Kürzungen im Nahverkehr im Raum. Aufgrund finanzieller Belastungen prüfen die Dresdner Verkehrsbetriebe demnach Einschnitte bei Linien und Takten. Der Fahrgastverband warnt davor, dass ein reduziertes Angebot langfristig zusätzliche wirtschaftliche Probleme verursachen könne, da sinkende Fahrgastzahlen weitere Einnahmeverluste nach sich ziehen könnten.
Insgesamt spricht Pro Bahn von einer problematischen Entwicklung für den Nahverkehr in Sachsen und fordert Bund, Land und Kommunen auf, die Finanzierung des ÖPNV dauerhaft abzusichern. Ein leistungsfähiger Nahverkehr sei entscheidend für Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und die Attraktivität von Städten und ländlichen Regionen.
EVN
