Mehr Wettbewerb, steigende Fahrgastzahlen und komplexere Betriebsabläufe erhöhen den Druck auf die Österreichischen Bundesbahnen. Eine umfassende Neuordnung soll künftig Zuständigkeiten klären, Entscheidungen beschleunigen und die Ausrichtung auf den Markt verbessern.
Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) stehen vor der größten organisatorischen Neuordnung seit 23 Jahren. Im Oktober hatte sich die österreichische Bundesregierung grundsätzlich auf eine Novelle des Bundesbahngesetzes verständigt. Damit sollen die Konzernstrukturen neu geordnet und Verantwortlichkeiten zwischen der Holding und den operativen Gesellschaften klarer verteilt werden. Der Gesetzesentwurf sollte zunächst in Begutachtung gehen, anschließend ist ein Beschluss im Nationalrat vorgesehen.
Im Mittelpunkt steht eine stärkere Rolle der ÖBB Holding. Neben Vorstandschef und Finanzvorstand soll künftig ein Chief Operating Officer (COO) die konzernweite Steuerung der Bahnproduktion übernehmen. Gleichzeitig wird die bisherige Doppelmütterstruktur aufgelöst. Die Gesellschaften ÖBB Personenverkehr und ÖBB Rail Cargo sollen dadurch stärker eigenständig und marktorientiert agieren können. Die ÖBB Infrastruktur AG soll hingegen als eigenständige Gesellschaft bestehen bleiben.
Hintergrund der Reform sind die gestiegenen Anforderungen an den Bahnverkehr. Nach Angaben der ÖBB verkehren inzwischen 98 Eisenbahnverkehrsunternehmen auf Österreichs Schienennetz, vor zehn Jahren waren es noch 63. Auch die Nachfrage ist deutlich gewachsen: 2025 nutzten rund 350 Millionen Fahrgäste die Bahn, 2016 waren es noch 240 Millionen. Die neue Struktur soll vor diesem Hintergrund Entscheidungswege verkürzen, Zuständigkeiten eindeutiger regeln und die Abstimmung innerhalb des Konzerns verbessern.
Parallel zur gesetzlichen Neuordnung läuft bereits die Produktionsreform PR26. Sie betrifft die operative Organisation des Bahnbetriebs und soll unter anderem die Planung von Fahrplänen, Fahrzeugen, Personal, Werkstätten und Instandhaltung stärker nach Verkehrssystemen ausrichten. Der operative Start ist für den 1. Juli 2027 vorgesehen. Auch die übergeordnete Strukturreform soll ab 2027 umgesetzt werden.


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