Nach einer ZDF-Dokumentation über den Zustand der Deutschen Bahn fordert der Branchenverband Die Güterbahnen eine umfassende Bahnreform. Der Verband sieht strukturelle Probleme und appelliert an den neuen Bundesverkehrsminister.
Nach der Ausstrahlung der ZDF-Frontal-Dokumentation „Das Deutsche-Bahn-Desaster“ am Dienstagabend hat der Branchenverband Die Güterbahnen eine grundlegende Reform des deutschen Bahnsystems gefordert.
Geschäftsführer Peter Westenberger erklärte, die Reportage zeige die Fehlentwicklungen der Schienenpolitik der vergangenen Jahrzehnte sowie strukturelle Defizite innerhalb des 1994 gegründeten DB-Konzerns auf. Der Verband appellierte an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, eine umfassende „Bahnreform II“ einzuleiten. Nach Ansicht der Güterbahnen seien tiefgreifende strukturelle Veränderungen notwendig, um die Probleme des Eisenbahnverkehrs nachhaltig zu lösen.
Variable Gehaltsbestandteile für Führungskräfte
In der Frontal-Sendung ging es auch um die Vergütungsregelungen für Führungskräfte des Bahnkonzerns. Demnach sollen bereits bei einer Fernverkehrspünktlichkeit von 65 Prozent sowie einer Kundenzufriedenheit mit der Schulnote 2,6 Bonuszahlungen möglich gewesen sein. Der ehemalige GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky kritisierte im ZDF, die Zielvorgaben seien zu niedrig angesetzt und würden systematisch zugunsten des Managements ausgestaltet.
Bahnchefin Evelyn Palla erklärte auf die Frage einer ZDF-Journalistin im Rahmen einer Pressekonferenz, es handele sich um variable Gehaltsbestandteile. Diese orientierten sich nach ihren Angaben neben der Pünktlichkeit auch an weiteren Kriterien. Insgesamt habe sich für 2025 ein positiver Wert für die variable Vergütung ergeben, wobei die Zahlungen in den meisten Fällen nicht in voller Höhe erfolgt seien.
Streit zwischen ZDF und Bahn bereits wegen früherer Doku
Erst rund zwei Wochen zuvor hatte das ZDF eine Sendung mit dem Titel „Unsere Bahn, geliebt, verflucht – gefährlich?“ ausgestrahlt. Die Bahn sah sich in dieser Doku falsch wiedergegeben und sprach davon, dass die Sendung „in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen“ basiere und „entscheidende Fakten bewusst“ ausgeklammert worden seien.

EVN
