Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin deutlich teurer

Seit Mitte Juni ist die sanierte Bahnstrecke Hamburg–Berlin wieder in Betrieb – sechs Wochen später als eigentlich geplant. Der Grund: ein harter Winter. Nun steht fest, was die Verzögerung gekostet hat.

Die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist infolge wochenlanger Bauverzögerungen deutlich teurer geworden. Die Gesamtkosten der Streckenmodernisierung belaufen sich aktuell auf rund 2,7 Milliarden Euro, wie aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Frage des Linke-Abgeordneten Christian Görke hervorgeht. Diese liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Zuletzt war von Baukosten in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro die Rede.

Vorgesehen war darüber hinaus noch ein Risikopuffer von rund 300 Millionen Euro. Dieser wurde der Antwort zufolge ausgeschöpft. Ob die Sanierung sogar noch teurer werden könnte, lässt die Antwort offen.

Görke: Viel zu wenig erreicht

“Für diese riesigen Kosten wurde viel zu wenig erreicht”, teilte Görke mit. “Vor allem konnte das neue europäische Zugsicherungssystem nicht wie ursprünglich geplant eingebaut werden, allein deshalb wird es in fünf bis zehn Jahren zu einer weiteren Großsperrung kommen.” Görke bezieht sich auf das digitale Zugleitsystem ETCS. Diese Technik soll langfristig für mehr Kapazität auf der Schiene sorgen. Für den schnellen Fernverkehr kommt zwischen Hamburg und Berlin zunächst weiterhin das ältere System LZB (Linienförmige Zugbeeinflussung) zum Einsatz.

Zudem hätten gleich nach der Eröffnung Aufzüge nicht richtig funktioniert und Züge seien nicht gefahren. “Für dieses magere Ergebnis mussten viele Tausend Pendlerinnen und Pendler zehneinhalb Monate lang halbe Weltreisen mit dem Bus zurücklegen und mit massivsten Einschränkungen leben”, kritisierte Görke.

Die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist Teil eines Gesamtprogramms, mit dem die Bahn bis Mitte der 30er Jahre Dutzende marode Strecken umfassend sanieren und auf diese Weise über Jahre hinweg baufrei halten will. Die Korridore werden dafür über Monate gesperrt.

Frost im Frühjahr führte zu Verzögerungen

Die Strecke Hamburg–Berlin war seit Anfang August für den Fern-, Regional- und Güterverkehr gesperrt. Während der Fernverkehr über Stendal und Uelzen mit einer etwas längeren Fahrzeit umgeleitet wurde, mussten Fahrgäste im Regionalverkehr monatelang auf Ersatzbusse ausweichen.

Eigentlich sollte der Korridor Anfang Mai wiedereröffnet werden. Wochenlanger Frost im Januar und Februar hatten aber zu erheblichen Verzögerungen geführt, weil aufgrund des gefrorenen Bodens nicht gearbeitet werden konnte. Erst seit Mitte Juni rollen die Züge wieder.

Das Konzept der sogenannten Generalsanierungen hat viele Kritiker in der Branche, insbesondere aufgrund der umfassenden Sperrungen. Auch hohe Kosten werden immer wieder bemängelt.

dpa / EVN