Seit Sonntag läuft die umfassende Sanierung der Bahnstrecke Obertraubling–Passau. Die Arbeiten bringen erhebliche Einschränkungen für Bahnreisende und Güterverkehr mit sich, sollen die wichtige Ostbayern-Achse jedoch langfristig leistungsfähiger machen.
Mit der seit dem 14. Juni laufenden Korridorsanierung der Bahnstrecke zwischen Obertraubling und Passau hat die DB InfraGO das zweite große Sanierungsprojekt im bayerischen Schienennetz in diesem Jahr gestartet. Die Arbeiten sollen bis zum 12. Dezember 2026 dauern und beinhalten die umfassende Modernisierung einer zentralen Schienenverbindung in Ostbayern. Die Strecke verbindet den Raum Regensburg mit Niederbayern und stellt zugleich eine bedeutende internationale Verbindung Richtung Österreich dar. Zuvor war die Trasse Nürnberg–Regensburg aufwendig saniert worden.
Nach Angaben der DB InfraGO werden während der rund sechsmonatigen Bauphase etwa 120 Kilometer Gleise, mehr als 140 Weichen sowie rund 90 Kilometer Oberleitungen erneuert oder instandgesetzt. Darüber hinaus werden acht Bahnhöfe modernisiert und teilweise barrierefrei ausgebaut. Auch die Leit- und Sicherungstechnik wird erneuert, unter anderem zur Vorbereitung auf das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS. Außerdem sollen bestehende Relais-Stellwerke entlang der Strecke durch moderne elektronische Stellwerkstechnik ersetzt werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich laut Bahn auf rund 1,3 Milliarden Euro inklusive Risikopuffer.
Die Bauarbeiten führen zu umfangreichen Einschränkungen im Bahnverkehr. Im Fernverkehr entfallen bis Dezember Zugverbindungen zwischen Nürnberg beziehungsweise Regensburg und Passau in Richtung Wien. Reisende sollen auf alternative Routen über München ausweichen, zudem setzt die Deutsche Bahn zusätzliche Verbindungen über Mühldorf und Salzburg sowie Ersatzbusse ein. Im Regionalverkehr verkehren nach Angaben der DB rund 90 Ersatzbusse täglich auf sechs Linien.
Güterbahnen kritisieren lange Umleitungsstrecken
Kritik an den Auswirkungen auf den Schienengüterverkehr kommt vom Branchenverband Die Güterbahnen. Geschäftsführer Peter Westenberger sprach von einer „Zitterpartie“ für Güterunternehmen und verwies auf zusätzliche Belastungen durch lange Umleitungsstrecken. Zwar habe die DB InfraGO Teile der ursprünglich geplanten Vollsperrung in eingleisige Sperrungen umgewandelt, dennoch bleibe die Strecke über weite Teile bis Dezember nicht nutzbar. Besonders wichtig sei nun, dass die elektrifizierte Ausweichroute über München, Rosenheim und Salzburg stabil funktioniere.
Die DB InfraGO verweist hingegen auf den langfristigen Nutzen der Maßnahmen. Ziel sei eine robustere und leistungsfähigere Infrastruktur für Personen- und Güterverkehr in Ostbayern.
EVN
