Nach der stundenlangen Odyssee eines Elektrorollstuhlfahrers infolge von Zugausfällen hat sich die Deutsche Bahn entschuldigt. Das Unternehmen räumt ein, dass keine zufriedenstellende Lösung gefunden wurde, und kündigt eine interne Prüfung an.
Nach der Berichterstattung über die stundenlange Reiseodyssee eines Elektrorollstuhlfahrers hat die Deutsche Bahn Stellung zu dem Vorfall genommen und Fehler im Ablauf eingeräumt. Eine Bahnsprecherin erklärte, man bedauere die schwierige Situation des Betroffenen ausdrücklich und entschuldige sich für die entstandenen Umstände. Zudem kündigte das Unternehmen eine interne Prüfung der Abläufe an.
Der Vorfall hatte sich am 4. Juni ereignet. Ein Elektrorollstuhlfahrer war nach eigenen Angaben aufgrund einer Streckensperrung infolge eines umgestürzten Baumes in Miltenberg gestrandet und erreichte seinen Wohnort in Rheinland-Pfalz erst rund sechs Stunden später als geplant. Die Reise war zuvor ordnungsgemäß über die Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn angemeldet worden.
Während andere Reisende alternative Verkehrsmittel nutzen konnten, gestaltete sich die Situation für den Betroffenen deutlich schwieriger. Aufgrund seines rund 200 Kilogramm schweren Elektrorollstuhls kamen reguläre Taxis oder private Fahrten nicht infrage. Nach eigenen Angaben erhielt er trotz mehrfacher Kontakte mit der Mobilitätsservice-Zentrale keine konkrete Lösung für die Weiterreise. Stattdessen hätten Mitarbeitende vor Ort versucht, eigenständig Hilfe zu organisieren.
Besonders hervorgehoben wurden dabei das Engagement eines Triebfahrzeugführers und einer Kundenbetreuerin der Westfrankenbahn, die sich laut Darstellung des Reisenden intensiv um Alternativen bemühten. Letztlich gelangte der Mann über Aschaffenburg nach Frankfurt und von dort aus erst in den frühen Morgenstunden an sein Ziel.
Bei dem betroffenen Reisenden handelt es sich um Justin Drescher, der zugleich stellvertretender Landesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn in Rheinland-Pfalz ist.
Bahn: “In diesem Fall keine zufriedenstellende Lösung gefunden”
Die Deutsche Bahn betonte nun, dass die Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Reisender einen hohen Stellenwert hätten. Grundsätzlich setzten Mitarbeitende “alle Hebel in Bewegung”, um auch bei kurzfristigen Störungen praktikable Lösungen anzubieten. Gleichzeitig verwies das Unternehmen darauf, dass dies teilweise von verfügbaren Kapazitäten vor Ort abhänge.
Man entschuldige sich ausdrücklich dafür, dass “in diesem Fall keine zufriedenstellende Lösung gefunden” worden sei. Der Vorgang werde intern geprüft und bestehende Prozesse sollten entsprechend nachgeschärft werden, teilte die Bahn auf Anfrage mit.
EVN
