Neue Probleme bei Stuttgart 21: Nach Recherchen des SWR sollen kilometerweise falsch verlegte Kabel und technische Mängel die vollständige Inbetriebnahme des Bahnprojekts bis mindestens 2031 verzögern. Die Deutsche Bahn äußert sich bislang zurückhaltend.
Neue Recherchen des Südwestrundfunks (SWR) belasten das Großprojekt Stuttgart 21 erneut. Dem Bericht zufolge könnten falsch verlegte Kabel sowie weitere technische Probleme maßgeblich dazu beitragen, dass die vollständige Inbetriebnahme des neuen Bahnknotens erst im Jahr 2031 erfolgt. Die Stuttgarter Zeitung spricht sogar von einem Inbetriebnahmeszenario bis 2032. Die Deutsche Bahn wollte entsprechende Angaben zunächst nicht bestätigen und verwies auf ein neues Inbetriebnahmekonzept, das Ende Juni vorgestellt werden soll.
Nach Informationen des SWR betrifft das Problem insbesondere die digitale Leit- und Sicherungstechnik des Projekts. Stuttgart 21 gilt als Pilotvorhaben für einen vollständig digitalisierten Bahnknoten, bei dem das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS sowie digitale Stellwerke zum Einsatz kommen sollen. Im Verlauf der Umsetzung habe sich jedoch herausgestellt, dass im Randbereich des Netzes weiterhin Güterzüge ohne ETCS verkehren werden. Deshalb sei zusätzlich konventionelle Signaltechnik notwendig geworden.
Laut mehreren vom SWR zitierten Insidern wurden in diesem Zusammenhang bereits große Mengen Kabel und Kabelschächte verbaut, bevor die technische Planung vollständig abgeschlossen gewesen sei. Demnach sollen insbesondere zwischen Stuttgart-Bad Cannstatt und Waiblingen rund 1.200 Kilometer Kabel betroffen sein. Ein Großteil davon müsse nun ersetzt oder angepasst werden. Hintergrund sei dem Bericht zufolge eine Entscheidung unter Zeitdruck gewesen, um bereits eingerichtete Streckensperrungen zu nutzen und weitere Verzögerungen zu vermeiden.
Neben den Kabelproblemen nennt der SWR weitere mögliche Ursachen für Verzögerungen, darunter Schwierigkeiten bei der Notstromversorgung sowie Baumängel an Bahnsteigen. Auch die Einführung der digitalen Technik gilt als komplex. Der Hersteller der Leit- und Sicherungstechnik, Hitachi, äußerte sich zu konkreten Vorwürfen nicht und verwies auf vertragliche Vereinbarungen.
Die Deutsche Bahn erklärte bislang lediglich, dass die Projektgesellschaft bis Mitte 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept erarbeiten und mit den Projektpartnern abstimmen solle. Beobachter rechnen damit, dass die Bahn am 26. Juni weitere Details zur Zukunft von Stuttgart 21 bekanntgeben wird.
EVN
