Verdi ruft zu Warnstreik bei der BVG am Freitag auf


BERLIN | Die Gewerkschaft Verdi hat für Freitag zu einem mehrstündigen Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) aufgerufen.

Der Warnstreik werde von Betriebsbeginn am frühen Morgen bis 10.00 Uhr dauern, teilte die Gewerkschaft am Montag mit. In Brandenburg werde der ÖPNV ganztägig bestreikt. „Wir sind sicher, dass dieser Arbeitskampf deutlich zeigen wird, wie ernst es den Kolleginnen und Kollegen ist“, sagte Verhandlungsführer Jeremy Arndt. „Wenn der Warnstreik um 10.00 Uhr beendet ist, ist davon auszugehen, dass es auch darüber hinaus noch Einschränkungen gibt.“ Wie lange das dauere, hänge von den Organisationsmöglichkeiten der BVG ab.

Das Unternehmen äußerte sich am Montag „irritiert“ zur Ankündigung der Gewerkschaft. „Der Streikaufruf folgt offensichtlich einer bundesweiten Dramaturgie“, teilte die BVG mit. „Angesichts der konstruktiven Gespräche halten wir Warnstreiks in Berlin für unangemessen.“

Verdi verhandelt parallel in fast allen Bundesländern über Tarifverträge im öffentlichen Nahverkehr. Am Freitag wird daher bundesweit in zahlreichen Städten gestreikt. Lediglich in Bayern sind keine Warnstreik geplant, dort wird derzeit nicht verhandelt.

Bei den Verhandlungen in Berlin geht es um den sogenannten Manteltarifvertrag für den Nahverkehr (TV-N). Es werden also die Arbeitsbedingungen verhandelt, nicht die Löhne und Gehälter. Auch wenn in Berlin die Fronten aufgrund der fehlenden Entgeltthematik weniger verhärtet sind, galt ein Warnstreik in der Hauptstadt wegen des Symbolcharakters Berlins und der bundesweiten Koordination der Nahverkehrsverhandlungen schon länger als wahrscheinlich.


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In Brandenburg will Verdi 20 Prozent, mindestens aber 650 Euro mehr für die Beschäftigten im Nahverkehr rausholen. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.

In Brandenburg betrifft der Tarifkonflikt Verdi zufolge 15 kommunale Verkehrsunternehmen mit insgesamt rund 3500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bundesweit wirkt sich die Tarifrunde laut Gewerkschaft auf mehr als 130 kommunale Unternehmen und rund 90 000 Beschäftigte in den Städten und Landkreisen aus.

Bei den Verhandlungen mit der BVG fordert Verdi längere Wendezeiten auf allen Linien, Urlaubsgeld von 500 Euro im Jahr oder 33 Tage Urlaub für alle Beschäftigten ohne Staffelung. Die Forderungen unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern.

Verhandlungsauftakt zwischen Verdi und BVG war vergangenen Mittwoch. „Zum Auftakt der Verhandlungen haben beide Tarifpartner die jeweiligen Erwartungen abgeglichen, Themenschwerpunkte gesetzt, Schnittmengen definiert sowie die weiteren Schritte im Prozess vereinbart“, teilte die BVG anschließend mit. Verdi-Verhandlungsführer Arndt nannte den Ausgang des Treffens ernüchternd. Die Arbeitgeberseite habe zu keiner der Gewerkschaftsforderungen eine klare Aussage treffen können. Es habe zwar den Hinweis auf Verhandlungsbereitschaft zu allen Punkten gegeben. „Aber man konnte oder wollte uns nicht mitteilen, was das im Kern bedeutet“, sagte Arndt vor einigen Tagen.


dpa / EVN