Verkehrsforscher sieht möglichen Anreiz für grundsätzliche Tarifreform im ÖPNV


BERLIN | Verkehrsforscher Andreas Knie sieht mit der Einführung des 9-Euro-Tickets einen möglichen Anlass, das komplexe Preissystem im ÖPNV mit seinen unzähligen Verkehrs- und Tarifverbünden zu vereinfachen.

„Ein Zurück zu den alten Tarifstrukturen, zu den Waben, zu den wirklich unübersichtlichen Angeboten“ werde nach den drei Monaten „nur schwer gelingen“, sagte der Sozialwissenschaftler am Mittwoch gegenüber der Tagesschau. Er könne sich vorstellen, „dass das 9-Euro-Ticket wirklich so eine Art Anreiz ist, den ÖV grundsätzlich zu reformieren.“

Im Gespräch mit dem Radiosender RBB Kultur sagte Knie, der als Professor am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin tätig ist, dass das günstige Monatsticket ein „wunderbares Experiment“ sei, was „in die richtige Richtung“ weise.

Auf dem Weg zur Verkehrswende sei es jedoch nötig, dem Individualverkehr die Privilegien zu entziehen, erklärte der Verkehrsforscher. Wenn das Auto mit anderen Verkehrsmitteln wieder gleichgestellt würde, dann hätte man einen „vernünftigen Wettbewerb“. Außerdem müsste man den ÖPNV für einen Verkehr von Haustür zu Haustür und nicht von Haltestelle zu Haltestelle ertüchtigen, so Knie weiter.

Mit dem 9-Euro-Ticket, das in den Monaten Juni, Juli und August erhältlich ist, können Menschen für wenig Geld alle Busse und Bahnen des Nah- und Regionalverkehrs deutschlandweit nutzen. Die Nachfrage nach den Sonderfahrkarten war bereits vor dem Start der Aktion hoch. Über sieben Millionen Tickets sind nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bundesweit bereits verkauft worden.


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