Angebot für Gelegenheitsfahrer? – Brandenburgs Verkehrsminister unterstützt Vorschlag

Einige Nahverkehrskunden kaufen immer noch Einzeltickets anstatt ein Deutschlandticket. Für solche Gelegenheitsfahrer soll möglicherweise ein Angebot geschaffen werden. Es gibt Stimmen dafür und dagegen.

Brandenburgs Verkehrsminister unterstützt die Idee, auch Gelegenheitsfahrern von Bus und Bahn im Rahmen des Deutschlandtickets ein gesondertes Angebot zu machen. „Wer in Brandenburg nur gelegentlich mit dem Zug nach Berlin fährt oder mit dem Bus in die nächste Stadt, braucht nicht unbedingt ein Monatsabo“, sagte Robert Crumbach (SPD). Ein bundesweit nutzbares Angebot für Gelegenheitsfahrer wäre deshalb ein echter Gewinn für die Brandenburgerinnen und Brandenburger. „Die Idee unterstütze ich.“

Für gelegentliche Bus- und Bahnnutzer könnte, wenn es nach dem Willen einzelner Länder ginge, bundesweit ein neues digitales Fahrscheinangebot eingeführt werden – als Ergänzung zum bestehenden Deutschlandticket. Die Idee: Per Smartphone werden Fahrtbeginn und -ende registriert und der günstigste Tarif automatisch berechnet. Fahrgäste sollen in einem Monat insgesamt aber nicht mehr als für ein Deutschlandticket zahlen. Einen entsprechenden Vorschlag haben die Länder Nordrhein-Westfalen und Hamburg für die Herbstkonferenz der Verkehrsminister eingebracht.

Konzept muss erst erarbeitet werden

„Jetzt brauchen wir ein Konzept, das den Fahrgästen die Nutzung wirklich erleichtert und für die Länder finanzierbar ist“, führte Crumbach aus. Der Antrag von NRW und Hamburg für die Verkehrsministerkonferenz im bayerischen Hohenschwangau sieht auch erst einmal vor, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die ein Konzept für das neue Ticketsystem erstellen soll. Vorbild ist das Angebot eezy.nrw in Nordrhein-Westfalen, das nach Angaben des Verkehrsministeriums ein großer Erfolg ist. Im September seien mehr als 1,4 Millionen Fahrten mit eezy.nrw abgerechnet worden.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt den Vorstoß. „Das bringt die Leute in den Nahverkehr. Denn es gibt viele, die kaufen sich kein Deutschlandticket, weil sie es kaum gebrauchen können“, sagte der Ehrenvorsitzende Detlef Neuß der Rheinischen Post. Er regte an, Gruppen und Familien einzubeziehen. Das Deutschlandticket für den bundesweiten Regionalverkehr kostet zurzeit 63 Euro pro Monat, im kommenden Jahr dann 66,80 Euro.

Kritik aus Bayern und vom Verband VDV

Kritiker sehen im Deutschlandticket light zusätzliche Kosten und eine Gefährdung des bisherigen Ticketmodells. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) verweist auf die angespannte Finanzlage und bezweifelt, dass Bund und Länder dem Vorhaben zustimmen werden. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) lehnt den Vorschlag ab: Das Angebot verursache zusätzliche Kosten, für die der Branche das Geld fehle, und stelle das erfolgreiche Konzept des Deutschlandtickets als bundesweite Nahverkehrs-Flatrate im monatlich kündbaren Abo infrage.

EVN / dpa