Sicherheitskräfte in Hannovers Bussen und Stadtbahnen können Konflikte künftig mit Kameras dokumentieren. Fahrgäste sollen erkennen können, wann gefilmt wird – der Einsatz unterliegt festen Regeln.
Wer in Hannover mit Bus oder Stadtbahn unterwegs ist, kann künftig Sicherheitsmitarbeitenden mit einer Kamera an der Uniform begegnen. Das Verkehrsunternehmen Üstra, das den öffentlichen Nahverkehr in der niedersächsischen Landeshauptstadt betreibt, lässt seine Tochterfirma Protec die Bodycams zunächst sechs Monate lang erproben. Was bedeutet das für Fahrgäste?
Warum führt Protec Bodycams ein?
Die Kameras sollen nach Angaben der Üstra dabei helfen, Konflikte zu entschärfen sowie Fahrgäste und Beschäftigte zu schützen. Schon die Ankündigung einer Aufnahme könne eine abschreckende Wirkung haben. Zudem sollen sich Vorfälle mit den Bildern dokumentieren lassen. Ob sich die Technik im Arbeitsalltag bewährt, soll das Pilotprojekt zeigen.
Wer trägt die Kameras?
Die Bodycams werden schrittweise an Beschäftigte des Protec-Streifendienstes ausgegeben. Bis Ende Februar 2027 sollen alle Mitarbeitenden dieses Bereichs ausgestattet sein. Rund 80 der insgesamt mehr als 300 Beschäftigten sind für die Sicherheit in Stationen, an Haltestellen sowie in Bussen und Stadtbahnen zuständig. Sie absolvieren nach Unternehmensangaben etwa 15.000 Einsätze pro Jahr.
Wo dürfen die Kameras eingesetzt werden?
Ein Einsatz ist nur in Bereichen vorgesehen, in denen Protec das Hausrecht wahrnimmt. Dazu zählen Fahrzeuge, Haltestellen und Tunnelstationen sowie die Niki-de-Saint-Phalle-Promenade. Die Kameras sind sichtbar an der Dienstkleidung befestigt, außerdem sind die Uniformen entsprechend gekennzeichnet.
Wann dürfen Sicherheitskräfte filmen?
Nach Angaben der Üstra dürfen Aufnahmen nur zum Schutz der Beschäftigten oder anderer Menschen, zur Deeskalation, zur Beweissicherung und zur Durchsetzung des Hausrechts angefertigt werden. Der Beginn einer Aufnahme soll mündlich angekündigt werden. Währenddessen leuchtet eine rote LED.
Werden auch Gespräche aufgenommen?
Nein. Die Bodycams zeichnen ausschließlich Videos und keinen Ton auf. Ein sichtbares Display ist eingeschaltet. Über eine sogenannte Pre-Recording-Funktion werden zudem die 90 Sekunden vor dem eigentlichen Start einer Aufnahme erfasst.
Was geschieht mit den Aufnahmen?
Die Sicherheitskräfte und ihre Führungskräfte können die Bilder den Angaben zufolge weder ansehen noch auswerten. Erst nach einer behördlichen Aufforderung soll ein Team außerhalb des Sicherheitsbereichs darauf zugreifen. Nicht benötigte Aufnahmen werden automatisch nach drei Tagen gelöscht. Betroffene sollen zudem eine Informationskarte erhalten.
Wie viel kostet das Projekt?
Für etwa 50 Kameras und die dazugehörige Software veranschlagt die Üstra rund 65.000 Euro. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von etwa 15.000 Euro. Während des Tests sollen unter anderem die technische Zuverlässigkeit, die Abläufe und die Handhabung in kritischen Situationen untersucht werden.

dpa / EVN
