Streit um Bahn-Neubaustrecke Hamburg–Hannover: Anhörung zeigt tiefe Gräben

Bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss prallen Befürworter und Gegner einer neuen Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover aufeinander. Während Bahn und Verbände Kapazitätsgewinne betonen, warnen Kritiker vor hohen Kosten und fehlender kurzfristiger Entlastung.

Im Verkehrsausschuss des Bundestages sind die Planungen für eine zweigleisige Neubaustrecke zwischen Hannover-Vinnhorst und Hamburg-Meckelfeld kontrovers diskutiert worden. Grundlage der Anhörung war ein Bericht des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), der die von der DB InfraGO AG bevorzugte Variante als wirtschaftlich und förderfähig bewertet und dem Bund eine Bestätigung empfiehlt.

Vertreter der Bahn verwiesen auf umfangreiche Prüfungen und sehen im Neubau die einzige Lösung, um Kapazitätsengpässe nachhaltig zu beseitigen. Vorteile seien unter anderem geringere Lärmbelastung, weniger Eingriffe in Natur und Landwirtschaft sowie eine Entlastung des bestehenden Netzes. Auch Verbände wie Pro Bahn und Vertreter der Hafenwirtschaft betonten die Bedeutung der Strecke für den Deutschlandtakt, den Güterverkehr und die überregionale Logistik.

Kritik kam hingegen aus Teilen der betroffenen Regionen. Kommunalvertreter und Landespolitiker sprachen sich für den Ausbau bestehender Strecken aus und stellten die Wirtschaftlichkeit des Neubaus infrage. Sie verwiesen auf hohe Kosten von rund 14 Milliarden Euro sowie mögliche Nachteile für den Regionalverkehr. Zudem wurde bemängelt, dass kurzfristige Verbesserungen für Pendler ausbleiben könnten, da eine Inbetriebnahme erst 2050 oder 2065 erwartet wird.

Unterstützung erhält das Projekt dagegen unter anderem aus Lüneburg, wo die Neubaustrecke als Voraussetzung für bessere Anbindungen und zusätzliche Kapazitäten gesehen wird. Auch Verkehrsexperten betonen, dass allein der Ausbau der Bestandsstrecke nicht ausreiche, um die stark ausgelastete Verbindung zu entlasten.

Die Debatte verdeutlicht die weiterhin offenen Konfliktlinien zwischen wirtschaftlichen, verkehrlichen und regionalpolitischen Interessen.

EVN