Der Gesamtbetriebsrat von DB Regio warnt vor falschen Signalen durch die Reformpläne von Justizministerin Stefanie Hubig. Nach Gewaltvorfällen im Bahnverkehr wird stattdessen mehr Rückhalt für Beschäftigte gefordert.
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von DB Regio, Ralf Damde, kritisiert die Pläne von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), Schwarzfahren zu entkriminalisieren. “Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt. Wer sich Leistungen auf Kosten anderer erschleicht, muss dafür auch geradestehen”, sagte er der Süddeutschen Zeitung.
Insbesondere nach dem brutalen Angriff mit Todesfolge eines Schwarzfahrers auf einen Zugbegleiter der Deutschen Bahn Anfang Februar sei eine Entkriminalisierung das völlig falsche Zeichen. “Ich erwarte, dass der Staat sich hinter jene stellt, die Ordnung und Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln durchsetzen – und nicht auf Seiten derer, die das System ausnutzen”, so Damde.
Er habe nach Bekanntwerden der Pläne der Bundesjustizministerin Dutzende Nachrichten von enttäuschten bis empörten Mitarbeitern der Bahn-Regionaltochter bekommen, die besonders häufig verbalen oder körperlichen Angriffen ausgesetzt sind, so Damde. “Die fragen sich: Warum mache ich den Job überhaupt noch, wenn der Politik nur sowas einfällt”, schildert er.
Damde selbst ist SPD-Mitglied – und versteht seine eigene Partei nicht mehr. “Ich habe das Gefühl, die Sozialdemokratie nimmt die Lebenswirklichkeiten der Menschen da draußen gar nicht mehr wahr”, sagte er. Die Lage im Nah- und Regionalverkehr sei nach wie vor kritisch – und geringere Strafen würden daran genau gar nichts ändern. “Frau Hubig muss dringend mal raus aus der Berliner Blase.”
EVN / dts Nachrichtenagentur
