Im Streckennetz der Deutschen Bahn sind bis Ende Mai insgesamt 88 Risse an Tragseilen und Fahrdrähten registriert worden. Im Vergleich zu den Vorjahren ist ein Anstieg festzustellen.
Die Deutsche Bahn hat bis einschließlich Mai dieses Jahres insgesamt 88 Fälle von Rissen an Tragseilen und Fahrdrähten registriert. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor. In einzelnen Fällen habe die Bundespolizei im laufenden Jahr Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. In keinem dieser Fälle habe sich der Verdacht auf eine Straftat erhärtet.
Für den Schutz der Fahrgäste bei Schäden an Oberleitungen griffen nach Angaben der DB mehrere technische und organisatorische Sicherheitsmechanismen ineinander. Bei einem Dauerkurzschluss zwischen spannungsführenden und geerdeten Teilen würden die Schutzsysteme demnach automatisch auslösen und die Stromzufuhr abschalten. Fahrleitungen und Fahrzeuge seien zudem so ausgelegt, dass Fehlerströme sicher abgeführt würden und an berührbaren Teilen keine gefährlichen Spannungen entstünden. Fahrgäste würden bei einem Oberleitungsschaden angewiesen, im Zug zu bleiben, da dieser in der Regel als schützender Faradayscher Käfig wirke.
Zusätzlich werde das Notfallmanagement der DB InfraGO umgehend eingebunden, um Gefahren aus dem Bahnbetrieb abzuwenden. Dazu gehörten nach Angaben der DB die Sperrung der betroffenen Gleise und die Einstellung des Zugverkehrs in dem Abschnitt. Erforderlichenfalls werde die beschädigte Oberleitung durch den Notfallmanager geerdet. Bei Einsätzen externer Rettungskräfte stehe der Notfallmanager diesen zudem als Fachberater zur Verfügung.
Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 wurden im deutschen Schienennetz 78 Fälle von Oberleitungsrissen registriert, 2025 waren es 127. Mit durchschnittlich 17,6 Rissen pro Monat im laufenden Jahr (88 Fälle bis Mai) hat sich die Zahl der Vorfälle im Vergleich zu den Vorjahren (2025: etwa 10,6 pro Monat / 2024: etwa 6,5 pro Monat) somit drastisch erhöht. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr droht ein neuer Höchststand.
EVN
