Nach einer Streckensperrung infolge eines Unwetters ist ein Elektrorollstuhlfahrer auf seiner Heimreise stundenlang in Miltenberg gestrandet. Trotz vorheriger Anmeldung bei der Mobilitätsservice-Zentrale erreichte er sein Ziel erst am nächsten Morgen.
Ein Elektrorollstuhlfahrer ist nach Zugausfällen infolge eines Unwetters am Donnerstagabend auf der Bahnstrecke zwischen Miltenberg und Aschaffenburg über Stunden gestrandet. Der Betroffene erreichte seinen Wohnort nach eigenen Angaben erst gegen 6 Uhr morgens und damit rund sechs Stunden später als ursprünglich geplant.
Der Reisende war mit dem RE87 von Bad Mergentheim in Richtung Aschaffenburg unterwegs. Nach seinen Angaben war die Fahrt vorab ordnungsgemäß bei der Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn angemeldet worden. Gegen 20 Uhr musste der Zug jedoch aufgrund eines umgestürzten Baumes im Bereich der Maintalbahn in Miltenberg stoppen. Eine Weiterfahrt war zunächst nicht möglich.
Während andere Fahrgäste auf alternative Verkehrsmittel wie Taxis oder private Fahrdienste ausweichen konnten, stellte sich die Situation für den Elektrorollstuhlfahrer deutlich komplizierter dar. Aufgrund des rund 200 Kilogramm schweren Rollstuhls sei ein Transport in herkömmlichen Fahrzeugen nicht möglich gewesen. Zudem habe sich der Reisende rund 130 Kilometer von seinem Wohnort entfernt befunden.
Nach eigenen Angaben kontaktierte der Betroffene die Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn, erhielt jedoch zunächst keine konkrete Unterstützung für die Weiterreise. Im Verlauf des Abends seien mehrere Anschlüsse ausgefallen oder verspätet gewesen, wodurch die geplante Heimreise zunehmend erschwert worden sei.
Positiv hob der Reisende ausdrücklich den Einsatz einzelner Mitarbeitender der Westfrankenbahn hervor. Ein Triebfahrzeugführer sowie eine Kundenbetreuerin hätten sich demnach über Stunden bemüht, eine Lösung zu organisieren und zahlreiche Stellen kontaktiert. Er gelangte schließlich nach Aschaffenburg, von wo aus eine Weiterreise nach Frankfurt organisiert worden sei. Dort habe die Bahnhofsmission die Betreuung übernommen, bevor die Fahrt in den frühen Morgenstunden fortgesetzt werden konnte.
Kritik äußert der Betroffene vor allem an fehlenden Strukturen für mobilitätseingeschränkte Reisende in Störungslagen. Zwar sei die Ursache – ein umgestürzter Baum infolge eines Unwetters – höhere Gewalt gewesen. Es stelle sich jedoch die Frage, warum für angemeldete Rollstuhlfahrer offenbar kein klarer Notfallplan existiere. Der Vorfall wirft aus Sicht des Reisenden grundsätzliche Fragen zur Unterstützung mobilitätseingeschränkter Fahrgäste bei Zugausfällen und Krisensituationen auf, hieß es in der Mitteilung. Eine Stellungnahme der Deutschen Bahn stand zunächst aus.
EVN
