Betriebskrise für Güterbahnen im Norden – Wesseln: Erleben “völligen Kontrollverlust”

Rückstaus, Zugstillstände und überlastete Knotenpunkte: Der Verband Die Güterbahnen sieht den Schienengüterverkehr in Norddeutschland in einer schweren Krise und erhebt deutliche Vorwürfe gegen das Baustellenmanagement der DB InfraGO.

Anhaltende Störungen im norddeutschen Schienennetz sorgen nach Angaben des Verbands Die Güterbahnen für erhebliche Beeinträchtigungen im Güterverkehr. Besonders betroffen seien Verbindungen im Raum Hannover sowie die wichtigen Nord-Süd-Achsen, darunter Transporte zum Hamburger Hafen. Nach Darstellung des Verbands kommt es seit mehreren Tagen zu massiven Rückstaus, Zugstillständen und erheblichen Einschränkungen im Betriebsablauf.

Als Ursache werden nicht nur technische Störungen genannt, sondern auch strukturelle Probleme im Baustellen- und Kapazitätsmanagement der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO. Aus Sicht des Verbands treffen zahlreiche parallele Bauarbeiten und Streckensperrungen insbesondere im Raum Hamburg und Hannover auf ein bereits stark belastetes Netz. Zudem fehle es an wirksamen Notfall- und Krisenkonzepten für den Schienengüterverkehr. Die Situation habe sich inzwischen deutlich länger hingezogen als ursprünglich angekündigt. Nach aktuellem Stand sollen die Einschränkungen rund um den Bahnknoten Hannover mindestens bis zum 13. Juni andauern.

“Wir erleben den völligen Kontrollverlust mit Ansage”, sagte Verbandsgeschäftsführerin Neele Wesseln. “Die Warnungen vor derart vielen parallelen Baustellen wurden nicht gehört. Die Betriebszentralen der DB sind kaum noch erreichbar, Güterzüge stehen stundenlang still und müssen mangels Steuerung sogar auf Hauptgleisen abgestellt werden”. Sie sprach von einer zunehmend kritischen Lage für Eisenbahnverkehrsunternehmen. Wesseln warnte vor möglichen Auswirkungen auf Lieferketten, einzelne Unternehmen stünden gar an der Grenze ihrer Belastbarkeit.

Nach Angaben des Güterbahnen-Verbands überschneiden sich derzeit mehrere große Infrastrukturmaßnahmen. Hintergrund ist unter anderem die verlängerte Sperrung der Strecke Hamburg–Berlin, die sich mit einer sogenannten Qualitätsoffensive zwischen Hamburg und Hannover überlagert. Zusätzliche Signalstörungen und weitere Bauarbeiten im Zulauf auf Hannover hätten die Situation weiter verschärft. Über das Pfingstwochenende könnten zusätzliche Gleissperrungen im Hamburger Hafen die Lage nochmals komplizieren.

Die Güterbahnen fordern kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung des Nordkorridors, transparentere Kommunikation gegenüber Eisenbahnverkehrsunternehmen, überarbeitete Umleitungskonzepte sowie eine politische und regulatorische Aufarbeitung der aktuellen Situation. Zudem spricht sich der Verband für den Verzicht auf Stornierungskosten seitens DB InfraGO und das Aussetzen nicht zwingend notwendiger Bauarbeiten aus.

EVN