Baden-Württembergs neuer Ministerpräsident Özdemir fährt mit Stadtbahn zum Amtssitz

Nahverkehr statt Chauffeurdienst: Auf dem ersten Weg zum Amtssitz überrascht der neue Ministerpräsident Cem Özdemir mit der Wahl des Verkehrsmittels. Diesmal nimmt er aber nicht das Rad.

U15 statt Dienstwagen-Konvoi: Cem Özdemir ist unmittelbar nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten nicht mit der Limousine, sondern demonstrativ mit der Stuttgarter Stadtbahn zu seinem neuen Amtssitz gefahren. Er stieg nach der Vereidigung am Landtag mit seinen Personenschützern in der Haltestelle Charlottenplatz ein und fuhr damit fünf Stationen hoch in die Villa Reitzenstein, den hoch über Stuttgart gelegenen Amtssitz. Dort angekommen, wollte Özdemir die Regierungszentrale offiziell von Langzeit-Regierungschef Winfried Kretschmann übernehmen.

Die Abgeordneten des Landtags hatten Özdemir kurz zuvor zum Regierungschef gewählt. 93 Parlamentarier stimmten mit Ja, 26 mit Nein, es gab 4 Enthaltungen. Özdemir ist damit der erste Regierungschef mit türkischen Wurzeln in der Geschichte der Bundesrepublik und nach Kretschmann der zweite grüne Ministerpräsident Deutschlands.

Der 60-Jährige weiß, wie politische Bilder funktionieren. Viel Aufmerksamkeit bekam Özdemir bereits, als er 2021 bei seiner Ernennung zum Bundesminister nicht wie seine Kollegen in der schwarzen Limousine, sondern mit dem Fahrrad beim Bundespräsidenten vorfuhr – und später ebenso wieder zur Entlassung erschien. Auch bei den Koalitionsverhandlungen in Stuttgart fuhr er kürzlich medienwirksam mit dem Rad vor.

Özdemir führt eine Neuauflage der grün-schwarzen Koalition an. Grüne und CDU regieren in Baden-Württemberg bereits seit zehn Jahren miteinander. Die Grünen waren bei der Landtagswahl am 8. März mit 30,2 Prozent knapp stärkste Kraft geworden, dicht gefolgt von der CDU mit 29,7 Prozent. Im neuen Landtag verfügen beide Parteien über jeweils 56 Mandate.

dpa