Petition fordert Neuberechnung des Deutschlandtakts ohne Tempo 300

Im Petitionsausschuss ist eine mehr als 37.000-fach unterstützte Eingabe beraten worden, die eine Neuberechnung des Deutschlandtakts mit geringerer Höchstgeschwindigkeit verlangt. Statt Hochgeschwindigkeits-Neubauten soll der Ausbau des Bestandsnetzes priorisiert werden.

Der Petitionsausschuss des Bundestages hat in öffentlicher Sitzung über eine Petition zur Neuausrichtung des Deutschlandtakts beraten. Die Initiatorin Sarah Brodowski fordert eine Neuberechnung des Fahrplankonzepts mit reduzierter Höchstgeschwindigkeit und einer Priorisierung des Ausbaus bestehender Strecken. Die mehr als 37.000 Mitzeichnungen umfassende Eingabe kritisiert insbesondere kostenintensive Hochgeschwindigkeits-Neubaustrecken mit bis zu 300 km/h.

Brodowski argumentierte, der aktuelle Ansatz verursache hohe Investitionskosten, steigende CO₂-Emissionen durch Betonbau sowie Eingriffe in Natur- und Siedlungsräume. Mehr Zuverlässigkeit, Kapazität und Regionalanbindung statt „Tempo 300“ müsse das Ziel sein. Auch eine realistische Kosten-Nutzen-Betrachtung sei erforderlich.

Der die Petition unterstützende Physiker Jan Hinrich Thies warnte vor einem Angebotsrückgang im ländlichen Raum durch die Konzentration auf Metropolen. Statt langer Neubaustrecken plädierte er für punktuelle Maßnahmen wie zusätzliche Gleise und Weichen, um Pünktlichkeit und Kapazität zu erhöhen.

Für die Bundesregierung erklärte Andreas Gehlhaar vom Bundesverkehrsministerium, Hochgeschwindigkeit sei ein Element des Deutschlandtakts, jedoch nicht das einzige. Neben Reisezeiten spielten Nachfrage, Kapazität und Knotenvernetzung eine Rolle. Schnellere Verbindungen seien notwendig, um im Wettbewerb mit dem Flugverkehr zu bestehen und Verkehrsverlagerungen zu erreichen. Zudem trügen Hochgeschwindigkeitsstrecken zur Stabilität und Entflechtung der Verkehre bei.

Die Bundesregierung verwies auf durchgeführte Simulationen zu Störfällen und Witterungseinflüssen. Thies regte an, entsprechende Stresstests zu veröffentlichen und von unabhängiger Seite prüfen zu lassen.

EVN