Im Tarifkonflikt zwischen der GDL und der Saarbahn zeichnet sich keine Entspannung ab. Während die Gewerkschaft eine stärkere Organisation weiterer Beschäftigtengruppen ankündigt, baut das Verkehrsunternehmen sein streikunabhängiges Ersatzkonzept aus.
Die Lokführergewerkschaft GDL will ihre bisherige Zurückhaltung bei der Organisation weiterer Berufsgruppen innerhalb der Saarbahn GmbH aufgeben und verstärkt Beschäftigte für eine Mitgliedschaft ansprechen. Nach Darstellung der Gewerkschaft richtet sich die Maßnahme gegen die Anwendung des Tarifeinheitsgesetzes und die damit verbundene Geltung eines anderen Tarifvertrags.
Die GDL erklärte, die Saarbahn berufe sich auf das Tarifeinheitsgesetz, um den Tarifkonflikt mit ihren Mitgliedern zu beenden, und kritisierte die Feststellung von Mehrheitsverhältnissen im Betrieb. Bundesvorsitzender Mario Reiß warf Saarbahn-Geschäftsführer Karsten Nagel zudem ein Vorgehen gegen die GDL und ein aus seiner Sicht bestehendes Missmanagement vor.
Die Saarbahn teilte ihrerseits mit, sie habe ihr Ersatzkonzept wegen der anhaltenden Streiks deutlich ausgeweitet. Nach Angaben des Unternehmens soll die S1 montags bis freitags bis 21 Uhr zwischen Römerkastell und Riegelsberg Süd verkehren; dafür würden zusätzliche Fahrer und neue TramTrains eingesetzt.
Seit Ende Mai habe es laut Saarbahn 38 Streikaufrufe und inzwischen mehr als 900 Streikstunden gegeben. Seit dem 1. Oktober gelte bei der Saarbahn die Tarifeinheit mit dem TV-N Saar als relevantem Tarifvertrag. Die jüngsten Tarifverhandlungen zwischen dem Kommunalen Arbeitgeberverband und den Verkehrsunternehmen mit Verdi seien im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen worden; dabei seien Entgeltentwicklungen bis einschließlich 2028 vereinbart worden.
Für die Ausweitung des Ersatzangebots setzt die Saarbahn nach eigenen Angaben zusätzliches Personal ein. Nach den Herbstferien würden weitere Verbesserungen geprüft, darunter der Einsatz von Gelenkbussen im Schienenersatzverkehr.

EVN
