Notbremse gezogen und Bahnverkehr gestört – SBB hält trotzdem an Fanzügen fest

Die SBB will auch künftig Fanzüge für Fußballfans einsetzen. Nach einer schweren Störung durch Anhänger des Grasshopper Club Zürich verurteilte das Unternehmen den Vorfall, kündigte Konsequenzen an und erstattete Strafanzeige.

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) halten trotz einer jüngsten Zugblockade durch Fans des Grasshopper Club Zürich (GC) an ihrem Angebot von Fanzügen fest. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor.

Am vergangenen Samstag hatten GC-Fans die für sie reservierten Wagen links liegen lassen und stattdessen einen regulären Zug zwischen Zürich und Bern besetzt. Während der Fahrt hätten sie mindestens 15 Mal die Notbremse sowie den Brandalarm ausgelöst und so den Bahnverkehr blockiert. Die SBB verurteilte das Verhalten scharf und erstattete Strafanzeige. Die Aktion habe massive Auswirkungen auf den Bahnbetrieb gehabt: Insgesamt seien 85 Züge betroffen gewesen, wodurch eine kumulierte Verspätung von 6 Stunden und 25 Minuten entstanden sei.

Die SBB wies zugleich Berichte zurück, wonach Fanzüge systematisch abgeschafft werden sollten. Bei Spielen der Super League würden auch weiterhin ab einer Gruppengröße von 400 Personen spezielle Fanzüge eingesetzt. Kleinere Gruppen würden über Reservierungen in reguläre Züge integriert.

Für die kommende Saison 2026/27 kündigte die SBB jedoch Anpassungen an. Fanzüge sollten grundsätzlich nur noch dann im Fahrplan laufen, wenn zu diesen Zeiten auch der reguläre Bahnverkehr rolle. Liege ein Spielende außerhalb dieser Zeiten, müssten die Vereine oder Fanorganisationen künftig kostenpflichtige Charterzüge bestellen. Zudem werde ein neuer Verhaltenskodex eingeführt: Bei Verstößen drohten klare Konsequenzen, die von der Räumung einzelner Wagen über komplette Zugausfälle bis hin zu rechtlichen Schritten reichten.

Das Unternehmen betonte, dass Fanzüge ein wichtiges Instrument für eine sichere und geordnete Anreise blieben. Gleichzeitig verwies die SBB auf die wirtschaftliche Belastung: Jährlich entstünden dem Bahnunternehmen durch Fanreisen ungedeckte Kosten von über vier Millionen Franken, zuzüglich der zusätzlichen Aufwände durch Vandalismus und Betriebsstörungen.

EVN