Erstmals seit längerer Zeit setzt die VAG Nürnberg wieder einen fahrergesteuerten G1-Zug im regulären Fahrgastbetrieb auf der automatisierten Linie U2 ein. Was die Gründe dafür sind.
Nach Angaben der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg wird in diesem Monat ein fahrergesteuerter U-Bahn-Zug der Baureihe G1 auf der automatisierten U-Bahn-Linie U2 zwischen Röthenbach und Flughafen im regulären Fahrgastbetrieb eingesetzt. Mit dem zeitlich befristeten Mischbetrieb verfolgt das Verkehrsunternehmen das Ziel, zusätzliche Flexibilität und Kapazität zu schaffen. Auch die geplante Verlängerung der U3 bis Kleinreuth und Gebersdorf, voraussichtlich im Jahr 2027, spielt dabei langfristig eine Rolle. Die Strecke wächst um zwei Stationen, die Fahrgastzahlen und die Anzahl der eingesetzten Züge werden steigen, hieß es.
Wie die VAG in ihrer Mitteilung erläutert, ist der Mischbetrieb in Nürnberg nicht neu. Bereits während der Automatisierung der U2 in den Jahren 2008 bis 2010 verkehrten auf dem gemeinsamen Streckenabschnitt zwischen Rothenburger Straße und Rathenauplatz fahrergesteuerte und vollautomatische Züge gemeinsam. Damals fuhren ausschließlich auf der U3 vollautomatische Züge. Der Mischbetrieb ermöglichte laut VAG die schrittweise Automatisierung der Strecke, ohne den Betrieb einstellen zu müssen. Dies sei seinerzeit weltweit einmalig gewesen.
Auch nach der vollständigen Automatisierung der U2 kamen nach Angaben der VAG immer wieder fahrergesteuerte Züge zum Einsatz, etwa wenn einzelne Streckenabschnitte vorübergehend nur manuell befahren werden konnten. Der Mischbetrieb gehöre deshalb weiterhin zum Betriebsstandard, werde jedoch nur selten benötigt.
In den vergangenen Jahren wurden nach Angaben der VAG mehrfach erfolgreiche Testfahrten des G1 im Mischbetrieb während der nächtlichen Betriebsruhe durchgeführt. Zudem fahren Mitarbeitende des Kunden- und Systemservice regelmäßig automatische Züge manuell am Notfahrpult, um ihre Streckenkenntnisse und Fahrpraxis zu erhalten.
Betriebsleiter: Fahrten in erster Nacht erfolgreich
Andreas May, Betriebsleiter der VAG und von 2008 bis 2012 Projektleiter für die Automatisierung der U2, erklärt: “Es ist zweifellos interessant, dass wir jetzt wieder Mischbetrieb fahren. Wie damals können wir das, wenn es auch anfangs besonders spannend sein wird. Wir möchten erproben und zeigen, dass der G1 unauffällig, pünktlich und störungsfrei auf der U2 mitfahren kann. Da der G1 technisch dem DT3/DT3-F sehr ähnlich ist, werden die Fahrgäste kaum einen Unterschied merken. Die Fahrten in der ersten Nacht liefen erfolgreich. Der G1 war pünktlich und ohne Auffälligkeiten unterwegs.”
Der Einsatz erfolgt schrittweise zu unterschiedlichen Tageszeiten. Vom 6. bis 10. Juli fährt der G1 jeweils ab 21 Uhr bis Betriebsschluss. Am 12. und 19. Juli ist der Zug ganztägig unterwegs. Vom 20. bis 22. Juli verkehrt er zwischen etwa 6 und 10 Uhr. Am 23. und 24. Juli wird der G1 zwischen 6.30 und 8 Uhr zusätzlich auf der Teilstrecke Hauptbahnhof–Ziegelstein eingesetzt. Bis einschließlich 22. Juli ersetzt der G1 jeweils einen automatischen Zug und erscheint in der Fahrplanauskunft. Am 23. und 24. Juli fährt er zusätzlich, sodass in der Hauptverkehrszeit zwölf statt elf Züge auf der U2 unterwegs sind.
EVN
