Pro Bahn wirft der Deutschen Bahn und dem Freistaat Bayern mangelnde Projektsteuerung bei der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke vor. Aus Sicht des Verbands verzögert sich ein zentraler Bauabschnitt in Laim erneut – mit Folgen für die Tram-Westtangente.
Der Fahrgastverband Pro Bahn hat erneut Verzögerungen beim Ausbau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München kritisiert. Konkret bemängelt der Verband, dass der neue Bahnsteig am Bahnhof Laim trotz einer vorangegangenen S-Bahn-Sperrung weiterhin nicht vollständig in Betrieb genommen wurde. Nach Angaben von Pro Bahn war die Inbetriebnahme des zweiten Gleises ursprünglich in der vergangenen Woche vorgesehen, sei jedoch erneut ausgeblieben. Der Verband spricht von mindestens der dritten wesentlichen Verzögerung bei diesem Projektabschnitt.
Nach Darstellung von Pro Bahn beeinträchtigen die Verzögerungen nicht nur den S-Bahn-Ausbau, sondern auch angrenzende Infrastrukturprojekte. Insbesondere die Fertigstellung der sogenannten Umweltverbundröhre Laim und damit verbunden die Umsetzung der Tram-Westtangente würden sich dadurch weiter verschieben. Der Verband verweist dabei auf frühere Aussagen der Deutschen Bahn, wonach nach Inbetriebnahme des neuen Bahnsteigs umfangreiche Bauarbeiten für einen weiteren Bahnsteig beginnen sollten. Diese Arbeiten gelten als Voraussetzung für die geplanten Änderungen im Betriebsablauf der S-Bahn-Linien aus Richtung Pasing.
Als möglichen Grund für die erneute Verzögerung nennt Pro Bahn einen Mangel an Abnahmeprüfern für Signaltechnik. Bereits bei früheren Projektverzögerungen sei ein ähnliches Problem aufgetreten. Der Verband fordert deshalb von DB InfraGO, innerhalb von sechs Monaten eine Strategie gegen den Fachkräftemangel in diesem Bereich vorzulegen. Zudem kündigte Pro Bahn an, das Thema gegenüber dem Bundesverkehrsministerium und dem Bundestag anzusprechen.
Gleichzeitig richtet der Fahrgastverband Kritik an den Freistaat Bayern, der seiner Aufsichtsfunktion über das Milliardenprojekt stärker nachkommen müsse. Aus Sicht von Pro Bahn brauche es eine transparentere Projektkommunikation sowie eine bessere Koordination, um weitere Verzögerungen und Folgekosten – insbesondere bei der Tram-Westtangente – zu vermeiden.
EVN
