Nach langem Warten: Reaktivierte Hermann-Hesse-Bahn startet Fahrgastbetrieb

Endlich können Reisende die Hermann-Hesse-Bahn im Schwarzwald nutzen. Sie bringt die Menschen von Calw in den Ballungsraum Stuttgart. Aber erst mal ganz langsam: Fledermäuse müssen sich an sie gewöhnen.

An diesem Sonntag war es soweit: Die reaktivierte Hermann-Hesse-Bahn setzt sich einen Tag nach der feierlichen Einweihung erstmals für Fahrgäste in Bewegung. Das Zugangebot startete den sogenannten Vorlaufbetrieb von Weil der Stadt in Richtung Calw. Auf der Strecke fährt der eingesetzte Batteriezug zwischen diesen beiden Städten hin und her. Voraussichtlich von Juni sollen Reisende dann von Calw bis nach Renningen (Kreis Böblingen) fahren können.

Fledermäuse müssen sich noch an den Bahnbetrieb gewöhnen

Rund 3.000 Pendler, Touristen und Reisende werden die modernen Regionalzüge nach Angaben des Landratsamtes täglich nutzen. Auf Dauer können die Menschen werktags alle 30 Minuten fahren, an Wochenenden, Feiertagen und nach 20 Uhr jede Stunde, so der Plan.

Vorerst aber – etwa bis April – verkehrt die Bahn nur bis 18.30 Uhr tagsüber und nur stündlich. Grund: Die Fledermäuse, die lange in den einst stillgelegten Tunneln hausten und sich nun erst an die neue Situation gewöhnen müssen.

Der Start der Bahn war sehnlichst erwartet worden, wurde doch der Eröffnungstermin immer wieder um Jahre verschoben. Im Jahr 2012 hatte der Landkreis Calw beschlossen, die 20 Kilometer lange Strecke als Zubringer zum Stuttgarter S-Bahn-Netz bis Renningen wiederzubeleben. 2018 war die Eröffnung geplant – es dauerte jedoch bis jetzt.

Das Projekt verschlang rund 240 Millionen Euro und wurde damit ganz erheblich teurer als die anfangs veranschlagten 60 Millionen. Nicht zuletzt umfangreiche Artenschutzmaßnahmen zum Erhalt von Fledermausquartieren hatten für Kostensteigerungen und Verzögerungen gesorgt. Die Hermann-Hesse-Bahn gilt als ein Pionierprojekt bei der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken im Südwesten.

dpa / EVN