Nach sieben Stunden Stillstand in Bad Bentheim musste der Bahnneuling GoVolta eine Fahrt nach Berlin absagen. Das Unternehmen erhebt Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn und die niederländische NS und fordert eine Prüfung durch die zuständigen Aufsichtsbehörden.
Das Bahnunternehmen GoVolta wirft der Deutschen Bahn (DB) und der niederländischen Eisenbahngesellschaft NS vor, seinen Geschäftsbetrieb zu behindern. Nach Angaben des Unternehmens habe ein defekter ICE der DB am Donnerstag in Bad Bentheim sieben Stunden lang die Lokomotive von GoVolta blockiert. Da der ICE nicht rechtzeitig entfernt worden sei, habe GoVolta die Fahrt nach Berlin absagen und die Reisenden mit Bussen weiterbefördern müssen.
Während der Wartezeit hätten mehrere ICE-Züge am gegenüberliegenden Bahnsteig gehalten. Gestrandete Fahrgäste von GoVolta seien auf diese Züge umgestiegen und hätten dafür den regulären Fahrpreis zahlen müssen. Laut GoVolta habe die DB eine kostenlose Mitnahme abgelehnt.
Nach Darstellung des Unternehmens sei es innerhalb eines Monats bereits zum dritten Mal zu einer ausgefallenen Fahrt aus vergleichbaren Gründen gekommen. Mindestens fünf weitere Verbindungen hätten zudem erhebliche Verspätungen erlitten. GoVolta kritisiert außerdem, dass seine Züge auf Bahnhofsanzeigen und in Online-Reiseplanern teilweise fehlten oder falsch dargestellt würden.
Das Unternehmen ist ein neuer Anbieter im internationalen Bahnverkehr. Nach eigenen Angaben liegen seine Ticketpreise bis zu 80 Prozent unter denen von NS und DB. GoVolta werde unter anderem von 450 Privatpersonen finanziert, die insgesamt 1,8 Millionen Euro über Crowdfunding investiert hätten. Geschäftsführer und Mitgründer Hessel Winkelman bezeichnete die Vorfälle als wiederkehrendes Muster und kritisierte die aus seiner Sicht fehlenden fairen Wettbewerbsbedingungen.
GoVolta forderte die deutsche Bundesnetzagentur und die niederländische Aufsichtsbehörde Autoriteit Consument & Markt (ACM) auf, mögliche Benachteiligungen neuer Marktteilnehmer zu prüfen. Zudem verlangt das Unternehmen einen fairen Zugang zur Schiene, korrekte Reiseinformationen sowie klare Regeln für die Betreuung von Fahrgästen bei Störungen.

EVN
