Allianz pro Schiene fordert schnelle Modernisierung des Zugfunksystems

Nach dem bundesweiten Ausfall des Zugfunksystems GSM-R wächst der Druck auf Politik und Bahnbranche, die Digitalisierung des Schienenverkehrs zu beschleunigen. Die Allianz pro Schiene fordert ein schnelles Vorgehen beim Umstieg auf moderne Funkstandards.

Nach dem rund zweistündigen bundesweiten Stillstand des Bahnverkehrs infolge einer Störung im digitalen Zugfunksystem GSM-R hat die Allianz pro Schiene eine zügige Modernisierung der Kommunikationsinfrastruktur auf der Schiene gefordert. Das Verkehrsbündnis spricht von einem Weckruf für Deutschland und mahnt eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Bahnunternehmen an.

Allianz pro Schiene kritisierte insbesondere die Abhängigkeit vom veralteten GSM-R-System, das technologisch mit dem Mobilfunkstandard 2G vergleichbar sei. Andere europäische Staaten wie Finnland hätten GSM-R im Bahnverkehr bereits abgeschaltet oder den Übergang zum moderneren Future Railway Mobile Communication System (FRMCS) eingeleitet. Das von der Europäischen Union favorisierte Nachfolgesystem basiert auf 5G-Technologie und soll langfristig die digitale Kommunikation im Schienenverkehr verbessern.

Geschäftsführer Dirk Flege betonte, die Deutsche Bahn könne die Umstellung nicht allein stemmen. Neben dem bundeseigenen Schienennetz müssten auch nichtbundeseigene Strecken sowie Fahrzeuge zahlreicher Eisenbahnverkehrsunternehmen modernisiert werden. Zudem fehle bislang eine konkrete Förderrichtlinie zur Finanzierung der Fahrzeugumrüstung.

Die DB InfraGO sieht die Ursache der Störung nach ersten Erkenntnissen im planmäßigen Austausch einer technischen Komponente des GSM-R-Systems. Vorstandsvorsitzender Philipp Nagl erklärte, die genaue Fehlerursache werde mit höchster Priorität untersucht. Für die Einschränkungen entschuldigte sich das Unternehmen bei den Reisenden.

Der Ausfall hatte am späten Dienstagabend zu einem bundesweiten Zugstillstand von rund zwei Stunden geführt. Erst nach Mitternacht konnte der Bahnverkehr schrittweise wieder aufgenommen werden. Tausende Reisende waren von den Auswirkungen betroffen.

EVN