ADAC: Deutschlandticket reduziert Staus in NRW bisher nicht


KÖLN | Pendler zum Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen zu bewegen, ist ein Ziel des Deutschlandtickets. In den ersten Wochen nach dem Start hat der ADAC noch keine Effekte auf den Autobahnen in NRW festgestellt. Der Autoclub sieht mehrere Faktoren, die eine Rolle spielten.

Das Deutschlandticket für Fahrten mit Bussen und Bahnen im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr hat nach Beobachtung des ADAC bisher zu keiner spürbaren Entlastung der stark befahrenen Autobahnen in Nordrhein-Westfalen geführt. „Wir stellen im morgendlichen Berufsverkehr bisher keine Veränderungen fest“, sagte ein Sprecher des ADAC Nordrhein. Dies zeigten Daten des ADAC, wie lange Fahrer im Stau oder im stockenden Verkehr steckten. Demnach gab es im Mai 2022 rund 10.000 Staustunden auf den NRW-Autobahnen. Im Mai 2023 waren es demnach insgesamt sogar rund 12.000 Staustunden.

Wenige Wochen nach dem Start des Deutschlandtickets am 1. Mai sei aber auch noch zu früh, um über nachhaltige Effekte auf die Verkehrsströme zu sprechen. Dafür brauche es etwas Anlaufzeit. „Niemand hat nach einem Monat Deutschlandticket staufreie Autobahnen in NRW erwartet“, unterstrich der Sprecher des ADAC Nordrhein.

Das Deutschlandticket habe aber Potenzial und könne mittelfristig dazu beitragen, dass zumindest ein Teil der Berufspendler dauerhaft vom Auto auf Busse und Bahnen umsteigt. Ausschlaggebend für den Erfolg des Deutschlandtickets ist nach Ansicht des ADAC Nordrhein, dass Verspätungen und Zugausfälle im Schienenverkehr reduziert werden. Ansonsten würden wechselbereite Pendler eher vergrault.

„Fehlende Direktverbindungen, große Lücken im Fahrplan, eine mangelnde Vernetzung verschiedener Mobilitätsangebote und damit eine zu lange Reisedauer prägen häufig die Situation im ländlichen Raum“, sagte der Sprecher des ADAC Nordrhein. Um den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr außerhalb der Ballungsräume attraktiver zu gestalten, sollten flexible Mobilitätsangebote den klassischen Linienverkehr ergänzen. Zu den wichtigsten Lösungen zählten Anruf-Sammel- oder Linien-Taxen, Ruf- und Bürgerbusse, Park & Ride-Parkplätze und Fahrradabstellanlagen, Mitfahrbänke sowie Mitfahrvermittlungen als App, soziale Fahrdienste und kommunale Sharing-Fahrzeuge.

Das Deutschlandticket kann bundesweit im Nah- und Regionalverkehr in der 2. Klasse genutzt werden. Das sind Busse, Straßen-, Stadt- und U-Bahnen, S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpress-Züge. Fahrten im Fernverkehr, also etwa ICE-, IC- und EC-Züge, sind ausgeschlossen. Bei dem Deutschlandticket handelt es sich um ein monatlich kündbares Abonnement. Es kostet in der Regel 49 Euro pro Monat.


dpa