Neue Gleise, hoher Krankenstand – Beeinträchtigungen in NRW


DÜSSELDORF | In dieser Woche müssen Zugreisende und Bahnpendler in NRW mit erheblichen Problemen rechnen. Vor allem auf der Hauptstrecke quer durchs Ruhrgebiet kommt es zu Beeinträchtigungen. Ab Montagabend halten zwischen Bochum und Mülheim fast keine Züge mehr.

Sanierungen, Modernisierungen und nun auch noch viele krankheitsbedingte Ausfälle: Zugreisende und Berufspendler im Ruhrgebiet müssen sich insbesondere in dieser Woche auf erhebliche Probleme und Unannehmlichkeiten einstellen. Wegen Gleisarbeiten halten von Montagabend (21.00 Uhr) bis Donnerstagmorgen (5.00 Uhr) auf der Hauptstrecke durchs Revier kaum noch Züge.

Betroffen sind vor allem die viel genutzten National-Express-Züge (RRX) der Linien RE6, RE1 und RE11. RE6 und RE1 werden umgeleitet und halten in dem Zeitraum nicht in Bochum, Wattenscheid, Essen und Mülheim/Ruhr. Ersatzhalte sind Herne, Gelsenkirchen, Essen-Altenessen und Oberhausen, teilten die Deutsche Bahn (DB) und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit. Auch der RE11 hält teils nicht zwischen Dortmund und Duisburg. Er wird ebenfalls über Gelsenkirchen, Herne, E-Altenessen und Oberhausen umgeleitet. Die übrigen Züge des RE11 über Dortmund-Hörde und Unna sollen planmäßig verkehren. Alternative ist hauptsächlich die S1. Sie sei von den Sperrungen nicht betroffen und fahre wie üblich, hieß es.

Grund für die Streckensperrungen sind Bauarbeiten an den Gleisen zwischen Dortmunder Hauptbahnhof und Bochum-Langendreer. Auf einer Länge von mehr als 3,8 Kilometern werden neue Schienen verlegt, 630 Schwellen und 600 Tonnen Schotter müssen ausgetauscht werden. Dafür investiert die DB nach eigenen Angaben mehr als eine Million Euro.

Auch der Fernverkehr ist in der Bauzeit eingeschränkt. Fernzüge werden laut DB zwischen Dortmund und Duisburg beziehungsweise Köln umgeleitet und halten dann nicht in Bochum und Essen – und je nach Umleitung auch nicht in Mülheim, Duisburg, Düsseldorf Flughafen und Düsseldorf Hbf.

Die DB bedauert die „geringen regionalen Einschränkungen im Zugverkehr“. Man tue alles, um die Auswirkungen für die Kunden „so gering wie möglich zu halten“ und versuche, kurzfristig Ersatz für erkrankte Mitarbeiter zu finden. „Wenn Krankenstände, wie aktuell zu beobachten, über eine längere Zeit derart hoch sind, hilft ein vorübergehend leicht reduziertes Angebot, das wir dann stabil und verlässlich für unsere Kund:innen fahren können“, tröstet die Bahn.

Denn ungünstigerweise verschärfen ausgerechnet jetzt hohe Krankenstände beim Personal die Probleme, weshalb DB Regio und VRR am Donnerstag weitere Einschränkungen im Nahverkehr bis Weihnachten ankündigen mussten. Nun sind auch S- und Regionalbahnen betroffen. So gebe es auf der Linie S3 einen Teilausfall zwischen Oberhausen und Essen, die S68 falle komplett aus, bei den Linien RB32 und RB40 müssten einzelne Verbindungen gestrichen, also Taktungen reduziert werden. Fahrgäste könnten auf parallel fahrende Zuglinien ausweichen. Nur, wenn Alternativen gleichzeitig ausfallen? Dann bleibt nur Schienenersatzverkehr, zu dem der VRR die Bahn vergatterte.

Der VRR zeigt sich wegen der Leistungsminderung ziemlich verstimmt. Zuletzt habe es „kein verlässliches und für die Fahrgäste planbares Angebot“ mehr gegeben. Deswegen seien Züge teils sehr kurzfristig ausgefallen. Man habe mit DB Regio vereinbart, nun auf einigen Strecken Leistungen einzuschränken, um damit einen gesicherten Betrieb auf anderen Linien herzustellen. Heißt, wie man so schön sagt: Ein Loch wird mit dem anderen gestopft.

Bahnsprecher Dirk Pohlmann verwies darauf, dass man in den vergangenen Jahren „so viele neue Mitarbeitende eingestellt habe wie nie“. Auch während der Pandemie sei „weiter massiv rekrutiert“ worden, um beim Personal „robuster zu werden“. Allein in diesem Jahr würden bundesweit mehr als 26.000 neue Kollegen an Bord kommen, das sei ein „Einstellungsrekord“. Zudem bilde die DB über Bedarf aus. Allein bei DB Regio NRW lernten 180 Auszubildende ihren Beruf.

Auf die Verlässlichkeit und Pünktlichkeit der Bahn in NRW wirkte sich das bislang eher noch nicht positiv aus. Das Chaos scheint größer denn je. Dabei habe man sich erst Anfang September mit DB Regio auf ein Maßnahmenpaket verständigt, um das Nahverkehrsangebot zu stabilisieren, so der VRR. Man habe die Entwicklung im Nahverkehr regelmäßig analysiert und kontinuierlich Gespräche mit der Bahn geführt. Während sich das Angebot auf einigen Linien stabilisiert habe, sei die Situation an anderer Stelle wieder deutlich schlechter geworden, hieß es. Daher habe man dem DB-Regio-Vorstand deutlich gemacht, „im Sinne der Fahrgäste alle Anstrengungen zu unternehmen, um künftig Zugausfälle dieser Größenordnung zu vermeiden“.


dpa / EVN

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