3.700 Tonnen Stahl rollen durch Hamburg – Hunderte Schaulustige verfolgen das Spektakel auf der Max-Brauer-Allee. Am Donnerstag folgt dann die finale Etappe.
Auf dem Weg zu ihrer endgültigen Position hat die neue Sternbrücke einen wichtigen Zwischenschritt erfolgreich absolviert. Vor den Augen von mehreren hundert Schaulustigen wurde der 3.700 Tonnen schwere Stahlkoloss von seinem Montageplatz etwa 50 Meter seitwärts auf die Max-Brauer-Allee geschoben. Am morgigen Donnerstag soll das 108 Meter lange und 21 Meter breite Bauwerk noch mehrere hundert Meter auf der Straße zu seinem Zielort im Herzen Hamburgs gebracht werden.
„Ich bin sehr zufrieden und voller Freude“, sagte Janna Widmaier. Die Projektleiterin der Deutschen Bahn hat mit ihrem Team „seit Jahren“ auf die Termine am Mittwoch und Donnerstag hingearbeitet. Vor dem großen Moment sei sie „positiv aufgeregt“ gewesen. Ganz entspannt zeigte sich nach dem erfolgreichen Manöver auch Lars de Haas. „Wir waren ein bisschen schneller als geplant. Das gibt uns mehr Ruhe für die Restarbeiten“, zog der Projektmanager der niederländischen Firma Mammoet, die den Querverschub durchgeführt hatte, Bilanz.
Auf 1.088 einzelne Rädern auf die Max-Brauer-Allee
Die neue Brücke war vor Ort zusammengeschweißt und auf 48 sogenannte SPMT gestellt worden. Die Abkürzung steht für Self-Propelled Modular Transporter (selbstfahrender Modultransporter). Auf insgesamt 1.088 Rädern, die um 360 Grad drehbar sind, erfolgte dann der Verschub auf die Straße. Die Max-Brauer-Allee wurde durchschnittlich um etwa 60 Zentimeter aufgeschüttet. Darauf wurden Stahlplatten gelegt. Nicht zuletzt die Räder sorgen für die notwendige Lastverteilung.
Bevor die Brücke an ihren finalen Standort geschoben wird, sollte im Laufe des Mittwochs noch ein weiterer Zwischenschritt erfolgen. Zug um Zug sollte das kolossale Bauwerk auf eine Höhe von sechs Metern über dem Straßenniveau angehoben werden. „Das ist dann auch die spätere Einbauhöhe“, sagte Janna Widmaier. Für diesen Vorgang sind insgesamt acht Stunden eingeplant.
Alte Brücke hatte Ende der Nutzungsdauer erreicht
Die Sternbrücke auf der sogenannten Verbindungsbahn ist ein zentraler Bestandteil im Schienennetz der Hansestadt. Bis zur aktuellen Sperrung fuhren täglich etwa 900 Regional- und Fernverkehrszüge sowie S-Bahnen über die vier Gleise. Doch nach rund 100 Jahren Betriebszeit hatte das Bauwerk das Ende seiner technischen Nutzungsdauer erreicht.
Laut der Deutschen Bahn waren bei dieser Entscheidung der Zustand des verbauten Stahls sowie die zukünftigen Anforderungen an das Bauwerk ausschlaggebend. „Der Stahl der heutigen Überbauten ist von 1926. Er ist ermüdet, nicht schweißbar und entspricht nicht mehr den heutigen Standards“, hieß es seitens der Bahn.
An dem Neubau hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik gegeben. So verloren unter anderem Musikclubs, die unter dem alten Bauwerk untergebracht waren, ihre Heimat.
dpa / EVN
