Deutsche Bahn verschärft Sicherheitsmaßnahmen im Regionalverkehr

Mehr Schutz für Beschäftigte und Fahrgäste: Die Deutsche Bahn setzt im Regionalverkehr auf neue Sicherheitskonzepte, Bodycams, Schutzwesten und prüft den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Früherkennung von Konflikten in Zügen.

Mit neuen Sicherheitsmaßnahmen reagiert die Deutsche Bahn (DB) auf anhaltende Gewaltvorfälle im Regionalverkehr. Vertreter der DB Regio AG informierten am Frankfurter Hauptbahnhof über aktuelle Konzepte zur Prävention, Deeskalation und Strafverfolgung. Im Mittelpunkt stehen erweiterte Schutzmaßnahmen für Mitarbeitende, neue Einsatzmodelle sowie der mögliche Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI).

Nach Angaben der Bahn ging die Zahl körperlicher Übergriffe im bundesweiten Regionalverkehr im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent zurück. Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf regionale Unterschiede: In Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Teilen Baden-Württembergs sei die Zahl körperlicher Angriffe im selben Zeitraum um 15 Prozent gestiegen.

“Angst hat in unseren Zügen keinen Platz”, sagte DB-Regio-Chef Harmen Van Zijderveld. “Wir können die gesellschaftliche Entwicklung nicht ändern, aber dafür sorgen, dass unsere Züge Orte der Sicherheit und des Respekts im öffentlichen Raum sind – für Mitarbeitende und Fahrgäste.”

Als Reaktion erprobt DB Regio in betroffenen Regionen neue Sicherheitskonzepte. Dazu zählt die sogenannte „1/1-Begleitung“, bei der Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer von geschultem Sicherheitspersonal begleitet werden. Zudem kommen Doppelbesetzungen im Kundenservice zum Einsatz. Nach Angaben des Unternehmens hätten sich beide Modelle in Pilotprojekten bewährt und sollen perspektivisch überregional etabliert werden.

„Beide Ansätze haben gezeigt, dass konflikt- und emotionsgeladene Situationen besser bewältigt werden können und bereit für den Einsatz über die Region hinaus sind“, so van Zijderveld. Ralf Damde, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der DB Regio AG, unterstrich: “Das im RMV-Gebiet umgesetzte Pilotprojekt ‘Tandemstreife’ hat gezeigt, dass das Einsetzen von Sicherheitsmitarbeitenden an der Seite unserer Kundenbetreuer:innen der Schritt in die richtige Richtung ist. Das Projekt darf Ende Juni nicht enden, vielmehr ist es in die Regelorganisation zu überführen und muss unter der Federführung der EVU laufen.”

Ab Juli startet laut Bahn auch ein Testlauf mit stichfesten Schutzwesten für Kundenbetreuer. Parallel erweitert DB Regio bundesweit verpflichtende Deeskalationstrainings um ein Modul zur Selbstbehauptung in Konfliktsituationen.

Bereits im Einsatz sind Bodycams, deren präventive Wirkung nach Unternehmensangaben deutlich sei. Von mehr als 500 dokumentierten Aktivierungen habe es nur in einem Fall einen schweren Übergriff gegeben. Bis August sollen alle Mitarbeitenden geschult werden. Perspektivisch plant die Bahn zudem Audioaufzeichnungen bei Aktivierung der Geräte.

Darüber hinaus prüft die Deutsche Bahn den Einsatz von KI zur Echtzeitauswertung von Kameraaufnahmen in Zügen. Konflikte oder aggressive Situationen könnten dadurch automatisiert erkannt und Sicherheitskräfte schneller alarmiert werden. Ein entsprechendes Pilotprojekt in Bremen habe gezeigt, dass ein solcher Einsatz technisch und datenschutzrechtlich möglich sei.

EVN